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Lokales
Krefelder Schüler starten Bürgerbegehren
Für "Stolpersteine" eines Kölner Künstlers
Von Peter Kleinert
In Krefeld haben Schüler der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule ein Bürgerbegehren für die Verlegung von "Stolpersteinen" des Kölner Künstlers Gunter Demnig im Pflaster der Stadt gestartet. Mit dieser Initiative wenden sich die Jugendlichen gegen einen Ratsbeschluss von Anfang November, mit dem die Verlegung dieser Gedenksteine für die Opfer der Nazi-Diktatur abgelehnt wurde. Insbesondere die CDU hatte damit Bedenken von Vertretern der Jüdischen Gemeinde entsprochen, die ein "Herumtreten" auf den Opfern befürchteten. Das Bürgerbegehren wird aber auch von während der NS-Diktatur Verfolgten und deren Angehörigen unterstützt.

Gunter Demnig beim Verlegen
eines "Stolpersteins"
Foto: www.stolpersteine.com
Messing-Gedenktafeln für Nazi-Opfer
Mit seinen "Stolpersteinen" erinnert Gunter Demnig an Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Bis heute hat er über 5.500 Steine in 97 Orten verlegt. Begonnen hatte Demnig mit seinem Erinnerungsprojekt 1990 in Köln mit einer Schriftspur "Mai 1940 - 1000 Roma und Sinti", die zum Kölner Messe-Lager für Nazi-Verfolgte führte. Es folgte 1992 vor dem Kölner Rathaus das Verlegen eines Messingblechs mit Himmlers Auschwitz-Befehl. 2004 erhielt Demnig für seine "Stolpersteine" die Herbert-Wehner-Medaille der Gewerkschaft ver.di, 2005 den German Jewish History Award und das Bundesverdienstkreuz.
Schüler der Gesamtschule und einer Körperbehindertenschule in Krefeld hatten nach einem Vortrag des Künstlers eineinhalb Jahre lang Geld für ihr Stolperstein-Projekt gesammelt. Die bisher gesammelten Spenden reichen für 20 Gedenksteine. Die Jüdische Gemeinde plant hingegen die Aufstellung einer Messingtafel mit den Namen aller NS-Opfer in ihrer neuen Synagoge und sprach sich deshalb gegen das Stolpersteinprojekt aus. Im November folgte die Stadtratsmehrheit dieser Forderung.

Stolpersteine: Hier wohnte Samson Bär -
Hier wohnte Berina Bär
Foto: www.stolpersteine.com
Tochter eines Krefelder Juden unterstützt das Projekt
Aus einem Bericht der Schülerzeitung der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule: "Heute war Frau Kassel zu Gast, die sich unserer Schule zur Zeit besonders eng verbunden fühlt. Frau Kassel gehört zu den UnterstützerInnen der "Stolpersteine" und hatte heute die Gelegenheit mit ca. 25 Schülern über die Zukunft dieses Projektes zu sprechen. Sie ist die Tochter einer Krefelder Jüdin, die nach ihrer Haft in dem Konzentrationslager Theresienstadt im Juni 1945 verstarb. Frau Kassels Mutter wollten KTG-Schüler einen der Stolpersteine widmen, ehe das Projekt durch den Krefelder Stadtrat gestoppt wurde. Thema des Gesprächs mit Frau Kassel-Müller und ihrer Freundin, Frau Dr. Ruth Frank, war u.a. ein sog. Bürgerbegehren, das die Verlegung der Stolpersteine in Krefeld vielleicht doch noch möglich macht."

Ilse Kassel-Müller bei den KTG-Schülern -
Ihre Mutter starb in Theresienstadt
Foto: KTG-Schülerzeitung
Aus der Ansprache von Ilse Kassel-Müller vor den SchülerInnen: "Ich habe in einem Brief an den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde - den ich Ihnen in Kopie zukommen ließ - die Bedenken des Herrn Schwarz Punkt für Punkt widerlegt. Ich hatte gehofft und ihn gebeten seinen negativen Entschluss zu revidieren. Dies ist leider nicht geschehen... Ich denke, er hat damit für seine Gemeinde nichts Gutes bewirkt. Im Gegenteil, ich glaube, er hat ihr geschadet. Das Projekt "Stolpersteine" umfasst sämtliche Verfolgten des Nazi-Regimes, nicht nur Juden. Diese Menschen waren mehrheitlich Krefelder, die mit ihrer Stadt eng verbunden und auf die sprichwörtliche Toleranz so stolz waren... Wir werden kämpfen und ich denke, viele Krefelder Bürger werden mitmachen."
7.200 Unterschriften bis zum 3. Februar nötig
Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren benötigen die Schüler bis zum 3. Februar rund 7.200 Unterschriften. Lehnt der Rat das Bürgerbegehren ab, kommt es zum Bürgerentscheid. Kommentar von Daniel Schily, Landesgeschäftsführer von "Mehr Demokratie" in Köln:
Durch das Bürgerbegehren könnten die Jugendlichen "erste engere Bekanntschaft mit der direkten Demokratie machen." Besser als in jedem Politik-Unterricht könne so vermittelt werden, dass man mit eigenem Engagement Diskussionen auslösen und etwas bewegen könne. Auch die Jüdische Gemeinde könne ihre Gründe für die Ablehnung des Projekts noch einmal allen Bürgern darlegen.

Else Müller mit ihrem Ehemann Fritz im Jahr 1939
Foto: Privat-Archiv
Externe Links:
Website von Gunter Demnig
Krefelder Gesamtschule
Online-Flyer Nr. 23 vom 20.12.2005
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Lokales
Krefelder Schüler starten Bürgerbegehren
Für "Stolpersteine" eines Kölner Künstlers
Von Peter Kleinert
In Krefeld haben Schüler der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule ein Bürgerbegehren für die Verlegung von "Stolpersteinen" des Kölner Künstlers Gunter Demnig im Pflaster der Stadt gestartet. Mit dieser Initiative wenden sich die Jugendlichen gegen einen Ratsbeschluss von Anfang November, mit dem die Verlegung dieser Gedenksteine für die Opfer der Nazi-Diktatur abgelehnt wurde. Insbesondere die CDU hatte damit Bedenken von Vertretern der Jüdischen Gemeinde entsprochen, die ein "Herumtreten" auf den Opfern befürchteten. Das Bürgerbegehren wird aber auch von während der NS-Diktatur Verfolgten und deren Angehörigen unterstützt.

Gunter Demnig beim Verlegen
eines "Stolpersteins"
Foto: www.stolpersteine.com
Messing-Gedenktafeln für Nazi-Opfer
Mit seinen "Stolpersteinen" erinnert Gunter Demnig an Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Bis heute hat er über 5.500 Steine in 97 Orten verlegt. Begonnen hatte Demnig mit seinem Erinnerungsprojekt 1990 in Köln mit einer Schriftspur "Mai 1940 - 1000 Roma und Sinti", die zum Kölner Messe-Lager für Nazi-Verfolgte führte. Es folgte 1992 vor dem Kölner Rathaus das Verlegen eines Messingblechs mit Himmlers Auschwitz-Befehl. 2004 erhielt Demnig für seine "Stolpersteine" die Herbert-Wehner-Medaille der Gewerkschaft ver.di, 2005 den German Jewish History Award und das Bundesverdienstkreuz.
Schüler der Gesamtschule und einer Körperbehindertenschule in Krefeld hatten nach einem Vortrag des Künstlers eineinhalb Jahre lang Geld für ihr Stolperstein-Projekt gesammelt. Die bisher gesammelten Spenden reichen für 20 Gedenksteine. Die Jüdische Gemeinde plant hingegen die Aufstellung einer Messingtafel mit den Namen aller NS-Opfer in ihrer neuen Synagoge und sprach sich deshalb gegen das Stolpersteinprojekt aus. Im November folgte die Stadtratsmehrheit dieser Forderung.

Stolpersteine: Hier wohnte Samson Bär -
Hier wohnte Berina Bär
Foto: www.stolpersteine.com
Tochter eines Krefelder Juden unterstützt das Projekt
Aus einem Bericht der Schülerzeitung der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule: "Heute war Frau Kassel zu Gast, die sich unserer Schule zur Zeit besonders eng verbunden fühlt. Frau Kassel gehört zu den UnterstützerInnen der "Stolpersteine" und hatte heute die Gelegenheit mit ca. 25 Schülern über die Zukunft dieses Projektes zu sprechen. Sie ist die Tochter einer Krefelder Jüdin, die nach ihrer Haft in dem Konzentrationslager Theresienstadt im Juni 1945 verstarb. Frau Kassels Mutter wollten KTG-Schüler einen der Stolpersteine widmen, ehe das Projekt durch den Krefelder Stadtrat gestoppt wurde. Thema des Gesprächs mit Frau Kassel-Müller und ihrer Freundin, Frau Dr. Ruth Frank, war u.a. ein sog. Bürgerbegehren, das die Verlegung der Stolpersteine in Krefeld vielleicht doch noch möglich macht."

Ilse Kassel-Müller bei den KTG-Schülern -
Ihre Mutter starb in Theresienstadt
Foto: KTG-Schülerzeitung
Aus der Ansprache von Ilse Kassel-Müller vor den SchülerInnen: "Ich habe in einem Brief an den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde - den ich Ihnen in Kopie zukommen ließ - die Bedenken des Herrn Schwarz Punkt für Punkt widerlegt. Ich hatte gehofft und ihn gebeten seinen negativen Entschluss zu revidieren. Dies ist leider nicht geschehen... Ich denke, er hat damit für seine Gemeinde nichts Gutes bewirkt. Im Gegenteil, ich glaube, er hat ihr geschadet. Das Projekt "Stolpersteine" umfasst sämtliche Verfolgten des Nazi-Regimes, nicht nur Juden. Diese Menschen waren mehrheitlich Krefelder, die mit ihrer Stadt eng verbunden und auf die sprichwörtliche Toleranz so stolz waren... Wir werden kämpfen und ich denke, viele Krefelder Bürger werden mitmachen."
7.200 Unterschriften bis zum 3. Februar nötig
Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren benötigen die Schüler bis zum 3. Februar rund 7.200 Unterschriften. Lehnt der Rat das Bürgerbegehren ab, kommt es zum Bürgerentscheid. Kommentar von Daniel Schily, Landesgeschäftsführer von "Mehr Demokratie" in Köln:
Durch das Bürgerbegehren könnten die Jugendlichen "erste engere Bekanntschaft mit der direkten Demokratie machen." Besser als in jedem Politik-Unterricht könne so vermittelt werden, dass man mit eigenem Engagement Diskussionen auslösen und etwas bewegen könne. Auch die Jüdische Gemeinde könne ihre Gründe für die Ablehnung des Projekts noch einmal allen Bürgern darlegen.

Else Müller mit ihrem Ehemann Fritz im Jahr 1939
Foto: Privat-Archiv
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Website von Gunter Demnig
Krefelder Gesamtschule
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