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Lokales
3.000 Kölner Studierende trotz Studiengebühren ohne Vorlesungen
Baufällige Uni-Gebäude geschlossen
Von Peter Kleinert

„Machtspiele auf dem Rücken der Kölner Studierenden“ wirft der AStA der Uni Köln NRW-Bildungsminister Andreas Pinkwart und Universitätskanzler Johannes Neyses vor. Die NRW-Landesregierung – wegen der von ihr eingeführten allgemeinen Studiengebühren seit zwei Jahren heftig kritisiert – und die Universitätsleitung, so AStA-Vorsitzender Oliver Jesper, würden sich für einige marode und vergangene Woche wegen Baufälligkeit gesperrte Gebäude der Universität „gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben“, anstatt die seit Jahren bekannten Mängel endlich zu beseitigen.

Lebensgefahr in Hörsälen

 
 
AStA-Abrissbagger auf dem Uni-
Gelände | Foto:AStA
Nachdem am Dienstag, 8. April, eine acht Kilo schwere Deckenlampe aus acht Metern Höhe auf den Boden eines der Hörsäle herunter gekracht war, fanden die Studierenden der Heil- und Erziehungswissenschaften in ihren Postfächern eine E-Mail, die ihnen eine „sofortige vorübergehende Sperrung von Hörsälen auf dem Gelände der Humanwissenschaftlichen Fakultät“ bekannt gab. In den betroffenen Hörsälen bestand die Gefahr, dass weitere Deckenlampen sich aus ihren Verankerungen lösen und zu Boden oder auf die darunter sitzenden Studierenden stürzen und diese schwer oder gar tödlich verletzen könnten. Durch den Ausfall fehlen der Universität nun zwölf Hörsäle mit insgesamt beinahe 3.000 Plätzen. Vorlesungen und Seminare können dort bis auf weiteres nicht mehr stattfinden. Obwohl sie allgemeine Studiengebühren für das laufende Semester in Höhe von zig Millionen Euro seit dem Wintersemester 2006/2007 gesetzlich vorgeschrieben, hat die Landesregierung jahrelang  keine Reparaturar- oder Restaurierungsarbeiten in den alten zum Teil denkmalgeschützten Gebäuden vornehmen lassen, obwohl deren Baufälligkeit ihr nach Auskunft der Universitätsleitung offiziell schon seit langem bekannt ist. Man habe dem Liegenschaftsbetrieb des Landes in der Vergangenheit ausführliche Mängellisten zukommen lassen, so Uni-Kanzler Johannes Neyses.

 
Landesregierung ist in der Pflicht

 
Trotz Studiengebühren stelle sich hier „auf erschreckende Weise die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen dar“, erklärte AStA-Vorsitzender Oliver Jesper nach der Sperrung der Räume. „Die Landesregierung ist in der Pflicht gegenzusteuern und muss sofort

finanzielle Mittel für eine Beseitigung der Mängel bereitstellen. Man kann von Glück reden, dass hier niemand zu Schaden gekommen ist.“ Bereits Ende Februar seien Schäden an der Befestigung einer Deckenleuchte in einem Seminarraum festgestellt worden. Die eingeleiteten Untersuchungen hätten weitere Mängel in Hörsälen und Fluren an den Tag gebracht. „Der nun entstehende Vorlesungsausfall ist für die Studierenden ein großes Problem“, ergänzt Patrick Schnepper, Bildungspolitikreferent des AStA. „Selbstverständlich geht Sicherheit vor. Die Universitätsleitung muss dafür sorgen, dass den Studierenden kein Nachteil durch die nicht stattfindenden Vorlesungen entsteht.“ „Studierende und Dozierende berichten über Wasserfluten aus den Deckenkonstruktionen“, weiß Oliver Jesper. „Neben defekten Fensterscheiben, Türrahmen, Stühlen und Tischen scheinen die Lampen nur ein weiteres Symptom der maroden Gebäudesubstanz zu sein.“

 
Um auf die ernste Situation aufmerksam zu machen und auch die Öffentlichkeit zu informieren, rückte der AStA am Mittwoch mit einem symbolischen Abrisskommando inklusive Bagger auf dem Uni-Gelände an. „Die Studierenden waren entsetzt über die marode Verfassung ihrer Hörsäle. Sie haben uns das Informationsblatt regelrecht aus den Händen
gerissen!“ so Oliver Jesper.



Achtung Einsturzgefahr! | Foto: AstA


„Schluss mit Machtspielen!“

 
Damit Landesregierung und Universitätsleitung sich nicht – wie in einem KStA-Artikel vom Donnerstag – weiter gegenseitig die Schuld an den Vorlesungs- und Seminarausfällen für 3.000 Studierende weiter in die Schuhe schieben, lud der AStA am Freitag in einem Offenen Brief beide Parteien für Montagmorgen zu einem Gespräch in den AStA-Räumen ein. „Die Machtspiele zwischen Minister Andreas Pinkwart und Universitätskanzler Johannes Neyses werden auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen. Hiermit muss sofort Schluss sein!“


Rückschritte als Innovationen verkauft - Wissenschaftsminister Pinkwart
Minister Andreas Pinkwart – keine Pinke für die Kölner Uni
Quelle: Land NRW

 
Minister Pinkwart will, wie er dem KStA mitteilte, den exakten  Modernisierungsbedarf an der Uni in Gesprächen mit der Hochschulleitung erst in den kommenden Monaten ermitteln lassen. Die Universitätsleitung hingegen denkt laut Kanzler Neyses darüber nach, den Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW zu verklagen. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil kann so ein Prozess Jahre dauern. Dass die Kölner Studierenden sich das Ausfallen von Vorlesungen so lange gefallen lassen, ist kaum zu erwarten. (PK) 

Online-Flyer Nr. 142  vom 16.04.2008

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