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Lokales
Erfolgreiche Demo „Kein Fußbreit den Faschisten“ in Bonn-Duisdorf
Polizeikessel zugunsten der Neonazis
Von Peter Kleinert

"Friedlich und entschlossen den Naziaufmarsch in Bonn-Duisdorf verhindern“ wollte am Samstag, wie gemeldet, ein breites Bündnis von Bonner Bürgerinnen und Bürgern, Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Verbänden, Initiativen und Vereinen die angekündigte Neonazi-Kundgebung vor der Jugendmedien-Prüfstelle der BpjM. Die hatte den Ärger der Neonazis erregt, weil sie die Verbreitung faschistischer und rassistischer Propaganda auf Tonträgern indiziert hatte.
Hubschrauber und Reiterstaffel
Hunderte von Polizisten unterstützt von Hubschraubern, einer Reiterstaffel, Landes- und Bundespolizei waren im Einsatz, um den Marsch der Neonazis vom Bahnhof und deren

„Unsere“ Polizei – Neonazis den Weg frei halten
Kundgebung vor der BpjM zu ermöglichen. Größere Gruppen von AntifaschistInnen wurden von Teams der Bundespolizei bereits ab Köln begleitet. Es werde eine der größten Demonstrationen seit Jahren in Bonn geben, hatte Bonns Polizeipräsident Wolfgang Albers bereits im Vorfeld befürchtet.
Gegen 10.15 Uhr erreichte der vom DGB-Haus in Endenich gestartete Zug der Gegendemonstranten seinen Abschlusskundgebungsplatz an der Rochusstraße/Ecke Provinzialstraße. Keine halbe Stunde später – ein Teil der DemonstrantInnen wollte gerade eine angemeldete und genehmigte Anschlussdemonstration über den Alten Heerweg antreten – kesselte die Polizei mehr als 300 von ihnen inklusive des Lautsprecherwagens länger als sechs Stunden ein. Einige der Menschen im Kessel wurden durch den Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken verletzt, weil man die Personalien von „Störern“ feststellen wollte. Etwa 75 Gegendemonstranten wurden vorläufig festgenommen. Der Lautsprecherwagen wurde nicht nur durchsucht, sondern sollte sogar beschlagnahmt werden. Das war offenbar selbst der Staatsanwaltschaft zu viel, und so durfte er nach der Durchsuchung heimfahren.

„Unsere“ Polizei - Neonazi-Gegnern den Weg versperren
Kundgebung verhindert
Durch diesen Polizeieinsatz konnte eine geplante Kundgebung zur „Begrüßung“ der Neonazis am Duisdorfer Bahnhof nicht stattfinden. „Damit", so Manfred Stenner für das Netzwerk Friedenskooperative, „hat die Bonner Polizei das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit schwer beschädigt und unnötig gerade bei vielen Jugendlichen Feindbilder gegen die Polizei bestätigt oder erzeugt“. Viele der Eingekesselten hätten nicht gewusst, wie ihnen geschah. Sie seien nur zur falschen Zeit am falschen Platz und dann während der überlangen Prozedur der Personalienfeststellung stundenlang ihrer Freiheit beraubt gewesen. „Der Bundestag könnte z.B. mit einer Klarstellung im Grundgesetz dafür sorgen, dass solche volksverhetzenden und letztlich das NS-Regime verherrlichenden Aufmärsche verboten werden können.“
Spottlieder und Pfeikonzerte
Immerhin schafften es zahlreiche Demonstranten, die nicht in den Kessel geraten waren, dass der etwa 230-köpfige neonazistische Aufmarsch erst mit zweistündiger Verspätung um 14 Uhr am Duisdorfer Bahnhof starten konnte. Auf ihrer Marschroute wurden die Neonazis mit Spottliedern, Protestrufen und Pfeifkonzerten konfrontiert.
Ihr Versammlungsleiter am Ziel war der Neonazikader Christian Malcoci aus dem Rheinkreis Neuss, der seit fast 30 Jahren in der militant-neonazistischen Szene aktiv ist, zuletzt als Parteisekretär der niederländischen Neonazipartei „Niederländische Volks-Union“ (NVU). Unterstützt wurde Malcoci von seinem Düsseldorfer Kameraden Sven Skoda.

Neonazis - sauer auf die Jugendmedien-Prüfstelle
Fotos: Arbeiterfotografie
Unter anderem „Ali, Mehmet, Mustafa – geht zurück nach Ankara!“ skandierend und mit einem gelben Transparent am Lautsprecherwagen ausgestattet, das den Schriftzug „NAZI“ in einem Davidstern zeigte, zog der von der NPD unterstützte Aufmarsch vor die BpjM. Als Redner der Neonazis traten neben Malcoci, der die Auflagen der BpjM gegen Nazipropaganda vorlas, Skoda, der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen NPD, Claus Cremer aus Bochum, der Kölner „Kameradschaftsführer“ Axel Reitz auf. Außerdem wurde ein Grußwort des US-amerikanischen NSDAP/AO-Vorsitzenden Gary Rex Lauck verlesen.
Vor allem Jugendliche
Trotz des Polizeikessels waren schließlich etwa 2.500 AntifaschistInnen durchgekommen, um ihren Protest am Kundgebungsplatz der Bundesprüfstelle hör- und sichtbar zu machen – durch mehrere Polizeireihen von der Neonazi-Kundgebung in gebührendem Abstand gehalten. "Das Vorgehen der Polizei war aus meiner Sicht unverständlich hart", erklärte Bonns DGB-Chef Ingo Degenhardt, einer der Organisatoren der Veranstaltung. Er nannte die Einkesselung von Demonstranten „mehr als unglücklich“. Zwar sei es richtig, dass die Polizei gegen einige Krawallmacher ermitteln musste, dass aber „dadurch viele Demonstranten nicht die Möglichkeit hatten, rechtzeitig bei der polizeilich bestätigten Mahnwache in Duisdorf zu sein, ist bedauerlich. Als sich die Situation entspannt hatte, sind aus Solidarität mit Sicherheit mehr Menschen nach Duisdorf gegangen als dies geplant war.“ So sei die Protestkundgebung am Ende doch noch „ein großer Erfolg für unser gemeinsames Bündnis, für die Stadt Bonn, für die Region und für unser Land“ geworden.
Von den mehr als 3.000 Demonstrantinnen und Demonstranten waren die meisten Jugendliche. „Diese Generation ist politisch engagiert, hellwach und wehrt sich gegen den braunen Spuk", erklärte anschließend Netzwerk-Geschäftsführer Manfred Stenner. Auch die beispiellos breite Zusammensetzung des Bündnisses "Kein Fußbreit den Faschisten" sei sehr ermutigend für Bonn als internationale Stadt und Sitz vieler UNO-Institutionen.
„Braunes Menschenbild“
"Wir halten eurem braunen Menschenbild unser Menschenbild entgegen und sagen: Rassismus darf um Gottes Willen nicht sein", hatte auf der Kundgebung der Superintendent der drei Bonner Kirchenkreise, Hans Joachim Corts erklärt. Die Nazi-Ideologie habe vor fast 70 Jahren "Unrecht, Hass, Krieg, Vernichtung und Zerstörung von Deutschland aus in alle Welt getragen“. Damals habe die Evangelische Kirche in weiten Teilen geschwiegen. Das dürfe nie wieder geschehen.
Auch die Bonner Diakonie, die Schulreferate der umliegenden Kirchenkreise, der Marienforster Friedenskreis der Johanneskirchengemeinde Godesberg und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit beteiligten sich an der Gegendemonstration. Aus Protest gegen die Neonazi-Kundgebung hatten die Kirchen in Bonn bereits am Freitagabend ein ökumenisches "Gebet für Menschenwürde und Toleranz" veranstaltet. (PK)
Online-Flyer Nr. 155 vom 16.07.2008
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Erfolgreiche Demo „Kein Fußbreit den Faschisten“ in Bonn-Duisdorf
Polizeikessel zugunsten der Neonazis
Von Peter Kleinert

"Friedlich und entschlossen den Naziaufmarsch in Bonn-Duisdorf verhindern“ wollte am Samstag, wie gemeldet, ein breites Bündnis von Bonner Bürgerinnen und Bürgern, Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Verbänden, Initiativen und Vereinen die angekündigte Neonazi-Kundgebung vor der Jugendmedien-Prüfstelle der BpjM. Die hatte den Ärger der Neonazis erregt, weil sie die Verbreitung faschistischer und rassistischer Propaganda auf Tonträgern indiziert hatte.
Hubschrauber und Reiterstaffel
Hunderte von Polizisten unterstützt von Hubschraubern, einer Reiterstaffel, Landes- und Bundespolizei waren im Einsatz, um den Marsch der Neonazis vom Bahnhof und deren

„Unsere“ Polizei – Neonazis den Weg frei halten
Kundgebung vor der BpjM zu ermöglichen. Größere Gruppen von AntifaschistInnen wurden von Teams der Bundespolizei bereits ab Köln begleitet. Es werde eine der größten Demonstrationen seit Jahren in Bonn geben, hatte Bonns Polizeipräsident Wolfgang Albers bereits im Vorfeld befürchtet.
Gegen 10.15 Uhr erreichte der vom DGB-Haus in Endenich gestartete Zug der Gegendemonstranten seinen Abschlusskundgebungsplatz an der Rochusstraße/Ecke Provinzialstraße. Keine halbe Stunde später – ein Teil der DemonstrantInnen wollte gerade eine angemeldete und genehmigte Anschlussdemonstration über den Alten Heerweg antreten – kesselte die Polizei mehr als 300 von ihnen inklusive des Lautsprecherwagens länger als sechs Stunden ein. Einige der Menschen im Kessel wurden durch den Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken verletzt, weil man die Personalien von „Störern“ feststellen wollte. Etwa 75 Gegendemonstranten wurden vorläufig festgenommen. Der Lautsprecherwagen wurde nicht nur durchsucht, sondern sollte sogar beschlagnahmt werden. Das war offenbar selbst der Staatsanwaltschaft zu viel, und so durfte er nach der Durchsuchung heimfahren.

„Unsere“ Polizei - Neonazi-Gegnern den Weg versperren
Kundgebung verhindert
Durch diesen Polizeieinsatz konnte eine geplante Kundgebung zur „Begrüßung“ der Neonazis am Duisdorfer Bahnhof nicht stattfinden. „Damit", so Manfred Stenner für das Netzwerk Friedenskooperative, „hat die Bonner Polizei das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit schwer beschädigt und unnötig gerade bei vielen Jugendlichen Feindbilder gegen die Polizei bestätigt oder erzeugt“. Viele der Eingekesselten hätten nicht gewusst, wie ihnen geschah. Sie seien nur zur falschen Zeit am falschen Platz und dann während der überlangen Prozedur der Personalienfeststellung stundenlang ihrer Freiheit beraubt gewesen. „Der Bundestag könnte z.B. mit einer Klarstellung im Grundgesetz dafür sorgen, dass solche volksverhetzenden und letztlich das NS-Regime verherrlichenden Aufmärsche verboten werden können.“
Spottlieder und Pfeikonzerte
Immerhin schafften es zahlreiche Demonstranten, die nicht in den Kessel geraten waren, dass der etwa 230-köpfige neonazistische Aufmarsch erst mit zweistündiger Verspätung um 14 Uhr am Duisdorfer Bahnhof starten konnte. Auf ihrer Marschroute wurden die Neonazis mit Spottliedern, Protestrufen und Pfeifkonzerten konfrontiert.
Ihr Versammlungsleiter am Ziel war der Neonazikader Christian Malcoci aus dem Rheinkreis Neuss, der seit fast 30 Jahren in der militant-neonazistischen Szene aktiv ist, zuletzt als Parteisekretär der niederländischen Neonazipartei „Niederländische Volks-Union“ (NVU). Unterstützt wurde Malcoci von seinem Düsseldorfer Kameraden Sven Skoda.

Neonazis - sauer auf die Jugendmedien-Prüfstelle
Fotos: Arbeiterfotografie
Unter anderem „Ali, Mehmet, Mustafa – geht zurück nach Ankara!“ skandierend und mit einem gelben Transparent am Lautsprecherwagen ausgestattet, das den Schriftzug „NAZI“ in einem Davidstern zeigte, zog der von der NPD unterstützte Aufmarsch vor die BpjM. Als Redner der Neonazis traten neben Malcoci, der die Auflagen der BpjM gegen Nazipropaganda vorlas, Skoda, der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen NPD, Claus Cremer aus Bochum, der Kölner „Kameradschaftsführer“ Axel Reitz auf. Außerdem wurde ein Grußwort des US-amerikanischen NSDAP/AO-Vorsitzenden Gary Rex Lauck verlesen.
Vor allem Jugendliche
Trotz des Polizeikessels waren schließlich etwa 2.500 AntifaschistInnen durchgekommen, um ihren Protest am Kundgebungsplatz der Bundesprüfstelle hör- und sichtbar zu machen – durch mehrere Polizeireihen von der Neonazi-Kundgebung in gebührendem Abstand gehalten. "Das Vorgehen der Polizei war aus meiner Sicht unverständlich hart", erklärte Bonns DGB-Chef Ingo Degenhardt, einer der Organisatoren der Veranstaltung. Er nannte die Einkesselung von Demonstranten „mehr als unglücklich“. Zwar sei es richtig, dass die Polizei gegen einige Krawallmacher ermitteln musste, dass aber „dadurch viele Demonstranten nicht die Möglichkeit hatten, rechtzeitig bei der polizeilich bestätigten Mahnwache in Duisdorf zu sein, ist bedauerlich. Als sich die Situation entspannt hatte, sind aus Solidarität mit Sicherheit mehr Menschen nach Duisdorf gegangen als dies geplant war.“ So sei die Protestkundgebung am Ende doch noch „ein großer Erfolg für unser gemeinsames Bündnis, für die Stadt Bonn, für die Region und für unser Land“ geworden.
Von den mehr als 3.000 Demonstrantinnen und Demonstranten waren die meisten Jugendliche. „Diese Generation ist politisch engagiert, hellwach und wehrt sich gegen den braunen Spuk", erklärte anschließend Netzwerk-Geschäftsführer Manfred Stenner. Auch die beispiellos breite Zusammensetzung des Bündnisses "Kein Fußbreit den Faschisten" sei sehr ermutigend für Bonn als internationale Stadt und Sitz vieler UNO-Institutionen.
„Braunes Menschenbild“
"Wir halten eurem braunen Menschenbild unser Menschenbild entgegen und sagen: Rassismus darf um Gottes Willen nicht sein", hatte auf der Kundgebung der Superintendent der drei Bonner Kirchenkreise, Hans Joachim Corts erklärt. Die Nazi-Ideologie habe vor fast 70 Jahren "Unrecht, Hass, Krieg, Vernichtung und Zerstörung von Deutschland aus in alle Welt getragen“. Damals habe die Evangelische Kirche in weiten Teilen geschwiegen. Das dürfe nie wieder geschehen.
Auch die Bonner Diakonie, die Schulreferate der umliegenden Kirchenkreise, der Marienforster Friedenskreis der Johanneskirchengemeinde Godesberg und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit beteiligten sich an der Gegendemonstration. Aus Protest gegen die Neonazi-Kundgebung hatten die Kirchen in Bonn bereits am Freitagabend ein ökumenisches "Gebet für Menschenwürde und Toleranz" veranstaltet. (PK)
Online-Flyer Nr. 155 vom 16.07.2008
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