NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 13. Mai 2026  

zurück  
Druckversion

Kultur und Wissen
Ein gelungenes Deutsch-Kongolesisches Theaterprojekt
Hakuna Matata!
Von Hans-Dieter Hey

Am Samstag, den 13. September führten acht junge Frauen aus Deutschland und der Demokratischen Republik Kongo im Juzi in Köln-Sülz ihr Theaterstück „Une Robe á moi – Ein Kleid, das (zu mir) passt“ auf. Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst: eine ungeheure Freude am Spiel und ausdrucksstarkes afrikanisches Theater in einer Symbiose der Kulturen. Doch, am 2. Oktober besteht noch einmal die Chance das Stück in der Comedia Colonia zu sehen.

„Habari gani?“ – „Mzuri sana!“ (Wie geht es Ihnen? – Danke, mir geht es gut!). So begrüßt man sich dort, wo Suaheli, auch „Kiswahili“ genannt, gesprochen wird: zum Beispiel in Tansania, in Kenia, Uganda, Mosambik, aber auch im Osten der Demokratischen Republik Kongo, wo auch Französisch Amtssprache ist. Und genauso begrüßt die Schneiderin im Stück eine Kundin, für die sie ein Kleid nähen soll – ein Kleid, das genau zu ihr passen muss.

Doch es geht nicht allein um ein Kleid: Seine Herstellung steht vor allem symbolisch – durch das Einnähen von Wünschen, Träumen und Lebenskonzepten – für die selbstbestimmte Gestaltung des eigenen Lebens. Und so passte auch gut ein Chanson von Hildegard Knef zum Thema, das die Gäste aus dem Kongo lernen mussten und sie sicher ebenso überzeugte, weil es auch ihre Wünsche repräsentierte: „Für mich soll's rote Rosen regnen“ ist der bekannte Titel. Dort heißt es:

„Mit sechzehn sagte ich still, ich will,
will groß sein, will siegen, will froh sein, nie lügen,
mit sechzehn sagte ich still, ich will,
will alles, oder nichts.

Für mich, soll's rote Rosen regnen,
mir sollten sämtliche Wunder begegnen.
Die Welt sollte sich umgestalten,
und ihre Sorgen für sich behalten.“


une robe a moi theateraufführung in köln foto: hd hey
Damit es passt, muss das Kleid angepasst    
werden |
Alle Fotos: Hans-Dieter Hey
Dass das Schneidern des eigenen Lebenskleides nirgendwo auf der Welt durchweg leicht ist, versteht sich von selbst. Doch, trotz unterschiedlicher Lebenswirklichkeiten in Afrika und in Europa, obwohl das Leben im Kongo in vielerlei Hinsicht deutlich schwieriger ist als bei uns, gibt es doch bemerkenswerte Überschnei- dungen: Gewalt gegen Frauen, mangelnde Aufklärung und AIDS oder Chancen im Beruf sind in beiden Kulturkreisen Fragen, die gelöst werden müssen. Zum Glück geht das Stück schließlich gut aus, und alle haben ein maß- geschneidertes Lebenskleid, das passt – wie der deutsche Untertitel schon andeutet.


Die afrikanischen und europäischen Darstellerinnen überzeugen durch Ausstrahlung und ein ausdrucksstarkes Spiel, in der vor allem die Körpersprache, die Mimik, Gestik, die Bewegung und der Tanz und vor allem die Freude am Spiel überzeugen – allesamt Eigenschaften, die man – nicht ganz verwunderlich – noch mehr mit afrikanischem als mit münsterländischem Temperament verbindet.

Das Theaterprojekt wurde gemeinsam durch das „Complexe Scolaire Balou“ aus Lubumbashi und dem Cactus Junges Theater Münster ins Leben gerufen. Die Münsteraner Gruppe verbindet bereits seit langem eine Partnerschaft mit den Straßenkindern von Lubumbashi, aus der die Akrobatikgruppe „Mutoto Chaud“ entstand, die auch schon in Köln aufgetreten sind. Inzwischen gibt es viele dieser wunderbaren Theaternetzwerke auf der ganzen Welt.

Und eins dieser Austauschprojekte ist die wirklich gelungene, aus Theater, Musik und Tanz bestehende Produktion „Une Robe á moi“, die mit der Regisseurin Barbara Kemmler, dem Choreografen Kasongo Monga und dem musikalischen Leiter Felix Mafo in nur zwei Monaten neu in Szene gesetzt wurde – zur Begeisterung von inzwischen Hunderten von Gästen in Deutschland und im Kongo.


Ein Feuerwerk der Lebensbejahung

Trotz ernster Fragestellungen ist ein Feuerwerk aus Bewegung, Kraft, Freude und Lebensbejahung entstanden, das mutige Zuversicht ausstrahlt und die Leichtigkeit afrikanischer Lebensweise durchscheinen lässt, die eben auch die Kraft hat, sich über die manchmal sehr widrigen Lebensumstände, hier wie dort, hinwegzusetzen. Es gibt zwei Weisheiten auf Suaheli, die auch uns nützen könnten: „Hakuna Matata“ – kein Problem und „pole-pole“ – immer schön langsam.


Um Kindern aus der Demokratischen Republik zu helfen, waren Laura, Lisa, Melisa, Jana und Alicia aus der Hausaufgabengruppe des Juzi Köln-Sülz auf Flohmärkten und anderswo emsig unterwegs, um Geld zu sammeln. 500 Euro sind zusammengekommen. Damit können immerhin zwei Kinder dort ein Jahr zur Schule gehen. Die Einrichtungsleiterin Lilo Sturch und Gertrud Limbach vom Kölner Eine-Welt-Laden haben den Scheck mit sichtbarer Freude dankend entgegen genommen. (CH)


Am 2.10. gibt es „Une Robe á moi“ gleich zweimal noch in Köln zu sehen, und zwar um 10 Uhr im Mädchenhaus, Fridolinstr.14 in Köln-Neuehrenfeld und um 20 Uhr im Rahmen der langen Theaternacht in der Comedia Colonia, Löwengasse 7-9. Einen ausführlichen Tourplan finden Sie hier.

Wir möchten unseren Leserinnen und Lesern einige lebendige fotografischen Eindrücke nicht vorenthalten.






 




















Kinder des Sülzer JUZI mit Gertrud Limbach und Lilu Sturch
Alle Fotos: Hans-Dieter Hey







Online-Flyer Nr. 164  vom 17.09.2008

Druckversion     



Startseite           nach oben

KÖLNER KLAGEMAUER


Für Frieden und Völkerverständigung
FILMCLIP
FOTOGALERIE