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Kultur und Wissen
Der Kämpferin der Pariser Kommune Louise Michel gewidmet
Eine leidenschaftliche Revolutionärin
Von Gerhard Feldbauer
Unzählig sind die Frauen, die in den Reihen der Kämpfer für den Fortschritt standen. So war es auch in der ersten proletarischen Revolution der Welt, der Pariser Kommune vom 18. März bis 28. Mai 1871. Einer von ihnen soll hier zum 180stn Geburtstag gedacht werden: Louise Michel, die in der Nationalgarde das 61. Bataillon befehligte.
Klar trat sie in den Wochen des Kampfes von 1871, der weltrevolutionäre Bedeutung erlangen sollte, für eine sozialistische Gesellschaft ein. Man mag den einen oder anderen ihrer in den Kämpfen dieser Zeit entstandenen politischen Gedanken heute nicht teilen. Bewunderung verdient ihr Mut, ihr unerschrockener Einsatz, ihre Selbstlosigkeit und Hingabe an die revolutionäre Sache der Ausgebeuteten und Unterdrückten, die uns gerade heute mehr denn je Beispiele sein müssen. Viele höchst aktuelle Gedanken hat sie uns dazu hinterlassen. Nur einige wenige aus ihrer aufrüttelnden Schrift „Auf ihr, die ihr die Ketten des Elends tragt!“: „Ist es nicht ein Verbrechen zu warten, während Millionen unter dem Mühlrad des Elends wie das Korn zermahlen, wie Trauben zerquetscht werden. (...) Ein einziger Generalstreik könnte dem allen ein Ende bereiten. (...) Niemand hat das Recht, andere zu knechten; der Mensch, der sich seine Freiheit nimmt, nimmt sich nur das zurück, was ihm gehört, seinen einzigen wahren Besitz. Wird er bedrohlich, dann dezimiert man ihn auf dem Schlachtfeld der Kriege.“
1880 wird sie begnadigt und kehrt nach Paris zurück. Nun zeigt Louise Michel eine Seite, die man heute bei nicht wenigen, die sich einst zu den Kämpfern für eine sozialistische Gesellschaft zählten, vergeblich sucht: Sie steht unerschütterlich zur revolutionären Sache, setzt den Kampf in den Reihen der Anarchisten fort und engagiert sich aktiv in der Frauenbewegung. 1882 gründet sie eine Frauen-Liga. Die allgemeinen Forderungen nach Gleichberechtigung der Frau genügen ihr jedoch nicht. Weitsichtig erkennt und fordert sie als Grundlage eine tiefgehende Veränderung der sozialen Verhältnisse. Clara Zetkin ordnet Louise Michel folgerichtig als eine weit über Frankreich hinaus ausstrahlende Gestalt in die „Geschichte der proletarischen Frauenbewegung“ ein, als ein „Synonym der unerschrockenen, aufopfernden Heldenhaftigkeit der Pariser Commune-Kämpferinnen.“
Online-Flyer Nr. 252 vom 02.06.2010
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Kultur und Wissen
Der Kämpferin der Pariser Kommune Louise Michel gewidmet
Eine leidenschaftliche Revolutionärin
Von Gerhard Feldbauer
Unzählig sind die Frauen, die in den Reihen der Kämpfer für den Fortschritt standen. So war es auch in der ersten proletarischen Revolution der Welt, der Pariser Kommune vom 18. März bis 28. Mai 1871. Einer von ihnen soll hier zum 180stn Geburtstag gedacht werden: Louise Michel, die in der Nationalgarde das 61. Bataillon befehligte.
Am 29. Mai 1830 als uneheliches Kind eines Dienstmädchens geboren, studiert sie später an einem Lehrerinnenseminar, wird aber an den allgemeinen Schulen meist nicht eingestellt, da sie den Eid auf den Kaiser verweigert. Zunächst Aushilfslehrerin an einem Internat, gründet sie 1865 in Montemartre eine kleine Schule, in der sie gleiche Bildung für alle zu verwirklichen sucht. Es gibt keine Geschlechtertrennung, aber sexuale Aufklärung. Daneben schreibt sie, schickt Victor Hugo ihre Gedichte. Eines heißt „Schwarze Marseillaise“, in dem sie klar ihre Position verkündet: „Ich weiß nicht, wo der Kampf zwischen der alten und der neuen Gesellschaft stattfinden wird, das ist unwichtig, aber ich werde dabei sein.“
Aufruf zum Widerstand
Und wie sie dabei ist: Als die reaktionäre Thiers-Regierung am 18. März 1871 der Forderung Preußens entsprechend 6.000 Soldaten auf den Montmartre schickt, um die Nationalgarde zu entwaffnen, gehört Louise Michel zu denen, die zum Widerstand aufrufen. Während der blutigen
Massaker an den Kommunarden im Mai steht sie heldenmütig auf den Barrikaden. 35.000 Tote werden offiziell gezählt. Louise fällt lebend in die Hand der Konterrevolutionäre, während der Schautribunale, vor die auch über 1.000 Frauen gezerrt werden, verteidigt sie die Sache der Kommune, klagt das ausbeuterische System an, fordert die Republik, Gerechtigkeit, darunter Gleichberechtigung für die Frau. Victor Hugo setzt der Verteufelung der Rebellin durch die Reaktion die Meinung des Volkes entgegen: „Sie alle sah’n durch das Medusenhaupt, den Widerschein des Engels.“ Paul Verlaine, der wie Arthur Rimbaud und Peter Kropotkin bewundernd über sie schreibt, nennt eine Ballade über sie „Louise Michel ist wunderbar.“ Jean Villain zitiert in seinem „Report über die Pariser Kommunarden“ einen Journalisten, der sie als einen Menschen „von einer Einfachheit, Sanftmut, Bescheidenheit und Selbstverleugnung“ beschreibt, um dann fortzufahren: „Hinter ihrer Demut freilich verbirgt sich ein unbezwingbarer Wille - sie ist eine Löwin im Schafspelz.“
Verbannt nach Neukaledonien
Das Urteil lautet lebenslänglich. 1873 wird sie in die Strafkolonie Neukaledonien verbannt. Vier Monate dauert die Schiffsreise dorthin, über die sie später schreibt „Man hielt uns wie Tiger und Löwen in Käfigen, damit wir unseren gerechten Kampf für die Freiheit bereuen.“ In der Verbannung hilft sie den einheimischen Kanaken im Widerstand gegen die Kolonialherrschaft, betreibt Tier- und Pflanzenstudien und arbeitet an einem kanakischen Wörterbuch. Hier wie in vielen Abschnitten ihres kämpferischen Lebens wird ihr tiefer Internationalismus sichtbar.
Weiter politisch aktiv als Rednerin und Autorin
Nach erneuter Verurteilung wird sie 1886 begnadigt, flieht vor weiteren Verfolgungen nach Großbritannien, wo sie politisch aktiv bleibt, unter anderem als Rednerin und Autorin politisch-literarischer Bücher und Theaterstücke. Unermüdlich kämpft sie gegen das vom Kapital hervorgebrachte soziale Elend und die Bildungsmisere, gründet eine internationale Schule sowie Armenhäuser.
Von und über Louise Michel, die am 9. Januar 1905 starb, liegen zahlreiche Gedichte bzw. Bücher vor, darunter von ihr selbst „Auf ihr, die ihr die Ketten des Elends tragt“ und „Warum ich Anarchistin wurde“; von Victor Hugo „An Louise Michel“; von Paul Verlaine „Ballade zu Ehren Louise Michels“; von Arthur Rimbaud, „Was macht uns das, mein Herz?“ und „Pariser Kriegsgesang“. In der Gegenwart erwarb sich Bernd Kramer das Verdienst, im Berliner Karin Kramer Verlag 2001 das Buch „Leben, Ideen, Kampf. Louise Michel und die Pariser Kommune von 1871“ herausgebracht zu haben, das einen Einblick in ihr Wirken gewährt. (PK)
Von Gerhard Feldbauer erschien gerade in der Schriftenreihe „Konsequent“ der DKP Berlin Nr. 2/2010 die Monografie "Krieg - das deutsche Kapital führt ihn wieder - weltweit."
Online-Flyer Nr. 252 vom 02.06.2010
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