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Aktueller Online-Flyer vom 19. Februar 2020  

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Wirtschaft und Umwelt
E-Mobilität im Vergleich: Chinesen aufgeschlossener
"Ungebrochener Fortschrittsglauben"
Von Georges Hallermayer

Mehr als Zehntausend Konsumenten in Deutschland, Frankreich, USA und China wurden von der in London ansässigen multinationalen Strategieberatungsgesellschaft „OC & C Strategie Consultants“ befragt. Die Resultate ihrer Studie „Life in the fast line. Global automotive disruption. Speedometer 2019“ lassen aufhorchen. Nicht dass China im Länderranking die Spitze einnimmt. Das hätte man vielleicht erwarten können. Aber dass Frankreich noch vor Deutschland kommt und die USA abgeschlagen nach Großbritannien das Schlusslicht tragen, erstaunt doch. Chinesen sind der E-Mobilität gegenüber am offensten - vielleicht aufgrund der relativ großzügigen staatlichen Zuschüsse – die in den letzten Jahren sukzessive gekürzt wurden - oder vielleicht auch wegen der bereitstehenden Infrastruktur an Ladestationen: Gemäß „Statista“ vom 1. November 2019 kommt in China eine Ladestation auf 2,4 Elektrofahrzeuge, in Deutschland eine auf nur 8,5 Fahrzeuge.

94 Prozent der befragten Chinesen überlegten umzusteigen, während 74 Prozent wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich als nächsten Wagen ein Elektro- oder Hybrid-Auto (New Energy Vehicles, NEV) anschaffen werden. In Deutschland waren das mit 65 Prozent ein Drittel weniger, die umzusteigen in Betracht zogen (USA 53 Prozent), und 22 Prozent, die wahrscheinlich ein NEV kaufen würden (USA 19 Prozent).

Allerdings scheint die Praxis widersprüchlich: Von den in der Studie befragten Chinesen sind nur 7 Prozent im vergangenen Jahr umgestiegen. Wohl der gekürzten Kaufzuschüsse wegen, wie „Caixin Global“ am 20. Dezember meldete, ist im November der Umsatz von NEVs um 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken (nach Angaben der Vereinigung der Automobilhersteller).

Die Studie thematisierte auch, wie die befragten Autobesitzer zu einem autonomen Fahrzeug stehen. Die Wissenschaftler waren überrascht, wie „wenig Bedeutung die Deutschen im Land der europäischen Motortechnik dem Auto beimessen“. Die Deutschen zeigten sich mit 67 Prozent sich sehr skeptisch - nur noch übertroffen von den USA mit 70 Prozent. 44 Prozent der befragten Deutschen hielten es für sehr unwahrscheinlich, dass sie sich von einem Roboter kutschieren ließen (40 Prozent USA). In Frankreich sprachen sich immerhin 24 Prozent dafür aus, an einem Pool selbstfahrender Autos teilnehmen zu wollen.

Ganz im Kontrast zu China, wo nur 4 Prozent der Interviewten das ablehnten – ein Indiz für einen ungebrochenen Fortschrittsglauben. Erstmals gab im September 2017 Beijing grünes Licht für den Straßentest selbstfahrender Autos, so Caixin global am 17. Dezember 2019, wenige Monate nachdem der Chef der Suchmaschine Baidu Robin Li mit einer saftigen Geldstrafe belegt wurde. Laut des amerikanischen Technikportals „The Verge“ vom 6. Juli 2017 waren seit 2016 diese Tests verboten. Im vergangenen Jahr hat die Stadtregierung von Peking insgesamt 56 selbstfahrenden Autos von acht Firmen, darunter dem Technologieriesen Baidu und dem Elektroauto-Startup Nio, befristete Nummernschilder erteilt. Bei Tests auf Pekings Straßen legten diese Fahrzeuge in diesem Jahr nach offiziellen Angaben insgesamt 153.600 Kilometer zurück.

In der zentralchinesischen Stadt Wuhan rollen seit September sieben „robotaxis“ durch eine 10 Quadratkilometer große Handelszone, geführt übers BeiDou Navigations Satellitensystem mit 5G-Technologie.

Nun hat im Dezember die Stadtregierung von Beijing registrierten Unternehmen erlaubt, Testfahrten mit Fahrgästen auf nichtöffentlichen Straßen zu unternehmen. Potenzielle "Fahrer" dürfen nicht wegen Verkehrsverstößen oder Alkohol am Steuer registriert sein, während sich freiwillige Fahrgäste vor der Teilnahme an den Tests gemäß der Verordnung über die potenziellen Risiken aufgeklärt sein müssen. Die Unternehmen haben außerdem eine persönliche Unfallversicherung im Wert von mindestens 1 Million Yuan (142.898 Dollar) für jeden Freiwilligen abzuschließen.


Verfasst am 22. Dezember 2019


Quellen:

OC & C Strategie Consultants Dezember 2019: „Life in the fast line. Global automotive disruption. Speedometer 2019“

Caixin Global 20. Dezember 2019: „Charts of the Day: Chinese More Open to Electric Cars Than Europeans or Americans“

Ding Yi: „Beijing Allows Self-Driving Cars to Carry Passengers in Road Tests“, Caixin Global, 17. Dezember 2019

Statista 1. November 2019: „Ladestationen für E-Fahrzeuge in Deutschland“

Caixin Global 31. Oktober 2019: „China’s Electric-Vehicle Manufacturers Fight for Their Lives After Subsidies Slashed“

Zhao Runhua: ”Wuhan Issues First Autonomous Vehicle Licenses for Commercial Uses”, Caixsin Global 23. September 2019

Sean O’Kane: „Baidu CEO is under investigation for a self-driving car stunt in China“ The Verge 6. Juli 2017

Online-Flyer Nr. 731  vom 01.01.2020

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