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Aktueller Online-Flyer vom 18. Mai 2022  

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Globales
Feierkundgebung zum Unabhängigkeitstag Syriens in Frankfurt
Vor 75 Jahren musste die Kolonialmacht Frankreich Syrien verlassen
Von Peter Betscher

Im April 1946 mussten die letzten französischen Truppen Syrien verlassen. Bis heute und trotz aller Versuche in den letzten 10 Jahren ist es den USA, den Golfstaaten, der Türkei, Israel und nicht zuletzt auch Frankreich und den weiteren EU-Staaten nicht gelungen, Syrien als Staat zu zerschlagen. In Frankfurt fand am 17.April meines Wissens die einzige Kundgebung zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit Syriens in Deutschland mit ca. 50 Teilnehmern organisiert vom Frankfurter Solidaritätskomitee für Syrien (SKFS), statt.


Eröffnung der Feierkundgebung zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit Syriens durch Willi Schulze-Barrantin vom Frankfurter Solidaritätskomitee für Syrien (SKFS)

Die Kundgebung begann mit dem Abspielen der Nationalhymne, und anschließend wurde eine Grußbotschaft von Aktham Suliman, ehemaliger Al-Jazeera-Korrespondent und Autor des Buches „Krieg und Chaos in Nahost. Eine arabische Sicht“, verlesen: „Wenn wir heute den syrischen Nationalfeiertag begehen, feiern wir nicht nur den Abzug der Kolonialmacht Frankreich aus Syrien, sondern auch zehntausend Jahre Zivilisation mit vielen Errungenschaften für die ganze Menschheit. (…) Syrien ist auch aus heutiger und zukünftiger Sicht wichtig, Syrien bleibt regional und international wichtig. Denn seit 2011 sieht sich das Land mit einem schmutzigen Krieg konfrontiert, an dem zehntausende Terroristen aus aller Welt teilnehmen, unterstützt von vielen westlichen Staaten, und Amerika, Israel und der Türkei und den Golfstaaten. Diesem Krieg fielen Hunderttausende zum Opfer, er führte zu einer Flüchtlingswelle und hinterließ Armut und Zerstörung. Lassen Sie mich abschließend an diesem glorreichen Tag, dem Nationalfeiertag Syrien, Ihnen versichern, dass Syrien, wie in den letzten tausenden Jahren, auch diesmal siegen wird, gegen den Terror, die einseitigen Wirtschaftssanktionen und Medienkampagnen. Lassen Sie mich Sie beglückwünschen zu unserem Nationalfeiertag!“ Es folgte eine Grußbotschaft von der KPD Deutschland, die von Michael Kubi vorgetragen wurde.


Klaus Hartmann

Als nächstes sprach Klaus Hartmann, Vorsitzender des deutschen Freidenker-Verbandes, der in seiner Rede auf die sich verschärfende internationale Lage unter der neuen Biden-Regierung, der deutschen Beteiligung daran und auf die einseitige Berichterstattung in „unseren selbsternannten Qualitätsmedien“ einging. Er sagte u.a.:
    Truppenbewegungen russischer Streitkräfte auf eigenem Territorium sind angeblich eine Gefahr für den Frieden, das Vorrücken der NATO an die Grenzen Russlands sind dagegen ein reiner Friedensdienst. Völkerrechtswidrig, so die westliche Sicht, handeln immer nur Russland und die Volksrepublik China. Deshalb wird auch sorgfältig verschwiegen, dass die USA inzwischen dazu übergegangen sind, die syrischen Ölvorkommen zu plündern (1) und ihre Beute im Stil der Mafia zu vermarkten, während sie zugleich die hungernde syrische Bevölkerung zu Tode sanktionieren (…).
Er schloss mit den Worten:
    Die so genannte Wertegemeinschaft, als die sich EU wie NATO mit stolz geschwellter Brust loben, ist eine Gemeinschaft zum Bruch des Internationalen Rechts und des Friedens, ein joint criminal enterprise, Kriminelle, die die Völkerverständigung und -freundschaft sabotieren, die mit Konfrontationspolitik und Militäraufmarsch unser aller Leben bedrohen.

    Kramp-Knarrenbauer will sich an der Provokation gegen China beteiligen und die Fregatte „Bayern“ ins Südchinesische Meer kommandieren. Zur Zeit wird mit dem Manöver „Defender 21“ Westeuropa erneut zum Aufmarschgebiet gegen Russland gemacht. Wir fordern: Lockdown für die NATO, Ausgangssperre für die Bundeswehr, ganztägig! Unsere Solidarität gilt der Syrisch-Arabischen Republik, ihrer Regierung und ihrem Präsidenten Baschar al-Assad. Bundeswehr und NATO – raus aus Syrien! Schluss mit den Hungersanktionen gegen das Syrische Volk! Hände weg von Russland und China!


Joachim Guilliard

Joachim Guilliard, ein langjähriger Aktivist der Friedensbewegung, ging in erster Linie auf die verheerenden Wirtschaftssanktionen gegen Syrien und andere Länder ein:
    Wirtschaftsblockaden sind eine heimtückische Form moderner Kriegsführung. Mittlerweile ist sie auch die am häufigsten angewandte. Wirtschaftskriege haben erhebliche Vorteile für die Aggressoren. Sie erregen wenig öffentliches Aufsehen und können so weitgehend ungestört eingesetzt werden. Umfassende Wirtschaftsblockaden sind aber ebenfalls tödlich und können, wie im Fall Irak, sogar zu Massenvernichtungswaffen werden.

    Das Irak-Embargo kostete realistischen Schätzungen zufolge jedes Jahr 100.000 Menschen das Leben, die Hälfte von ihnen Kinder. Syrien steht zum Glück nicht so allein, wie damals der Irak. Die Blockade muss dennoch schleunigst beendet werden. (…)

    Angesichts ihrer Auswirkungen müssen wir generell unser Engagement gegen Wirtschaftsblockaden verstärken. Die Blockade gegen Syrien muss aufgehoben, wie auch die gegen Venezuela, den Iran und gegen viele andere Länder, Aufgehoben werden muss vor allem auch die schon am längsten andauernde Blockade? die gegen Cuba, das heute den 60. Jahrestag des Sieges über die Invasion der US-Söldner in der Schweinebucht feiert.

    Bleiben wir dran! No Paseran!
Aus der Grußbotschaft von Eduardo Artés Brichetti, Präsidentschaftskandidat von Unión Patriótica (Chile) und Erster Sekretär der Kommunistischen Partei Chiles (Proletarische Aktion):
    Unser Gruß richtet sich auch an den dem ehrenwerten Präsidenten Dr. Bashar Al-Assad, der sein Volk nicht verließ und in Syrien blieb um den Kampf gegen NATO und Terrorismus zu führen. Präsident Dr. Bashar Al-Assad repräsentiert heute den Kampf Syriens für die territoriale Integrität, das Überleben der syrischen Souveränität und des syrischen Staates.

    Syrien bleibt der letzte laizistische Staat in der Region. Es sind die humanistischen Grundsätze wie der freie Zugang zu Bildung und Gesundheit sowie freie Ausübung von Religion, die das Baath-regierte Syrien kennzeichnen. Das syrische Volk kämpft heute um diese sozialen Errungenschaften aufrecht zu erhalten. Der Kampf Syriens ist ein Vorbild für alle Völker, die souverän leben wollen!
Als nächstes wurde eine Grußbotschaft von Heike Weber, die vor 33 Jahren das Stickerei-Projekt ANAT in Syrien initiierte und leitete, dass vor dem Krieg über 1000 Stickerinnen beschäftigte, verlesen. Heike Weber schilderte in eindringlichen Worten die katastrophale Situation in Syrien, die durch den schmutzigen Stellvertreterkrieg mit zehntausenden Terroristen aus aller Welt und die völkerrechtswidrigen Wirtschaftssanktionen verursacht wurde:
    „Gestern sah ich eine Frau, die mit einem Säugling und einem Kleinkind durch den zentralen Gewürzmarkt von Damaskus lief und immer wieder verzweifelt schrie:“ Brüder helft mir, meine Kinder haben Hunger, ich habe keine Milch mehr“ Eine andere Frau bat den Käsehändler, ihr die Salzlake zu geben, in die der Käse eingelegt ist, damit ihre Familie ihr trockenes Brot darin eintunken kann. Geld für Tee hat sie nicht mehr.

    Wer hat das zu verantworten?

    10 Jahre Krieg haben 60% der Landwirtschaft lahmgelegt. Bauern sind vertrieben, landwirtschaftliche Geräte zerstört, Obst und Olivenbäume zu Brennholz gemacht. Bewässerungsanlagen und Brunnen wurden gezielt zerstört. Die meisten Ölvorkommen im Nordosten werden von den Amerikanern kontrolliert. Den Kurden von Afrin und Azaz im Norden von Aleppo, wird der Zugang zu ihrem Land von Milizen verwehrt, die von der Türkei unterstützt werden. Ihre landwirtschaftlichen Produkte, ihre Olivenernte, die früher in Aleppo verkauft und verarbeitet wurden, werden in die Türkei geschafft.
     
    Der Hafen von Beirut, durch den auch Syrien versorgt wurde, ist zerstört. Hinzu kommen die von der WHO verordneten Corona-Maßnahmen: Die Grenzen zu Libanon und Jordanien sind teilweise geschlossen. Der einzige offene Grenzkontrollpunkt zum Irak wurde von den Amerikanern bombardiert. Auch Israel nimmt es sich heraus, immer wieder Stellungen in Syrien zu bombardieren. Syrien soll total isoliert werden. Iranische Schiffe, die Erdöl für Syrien geladen hatten, wurden sowohl im Suezkanal als auch in Gibraltar gestoppt.

    Seit Jahren gibt es von Amerika und Europa verhängte Wirtschafts- und Finanzsanktionen, die ständig verschärft werden. Wenn die syrische Regierung durch einen Krieg nicht beseitigt werden konnte, so wird jetzt der syrischen Bevölkerung das Messer auf die Brust gesetzt: Entweder Baschar al-Assad geht, oder ihr verhungert. In Deutschland gab es nach dem 2. Weltkrieg einen Marshall-Plan. Dem syrischen Volk wird nicht nur ein internationaler Wiederaufbauplan verweigert, sondern sie werden durch die Sanktionen sogar daran gehindert, selber ihr Land wieder aufzubauen. In Damaskus gab es wochenlang keinen Zement, weil die staatlichen Behörden kein Benzin oder Diesel hatten, um den Zement aus der 100 km entfernten Zementfabrik heranzuschaffen. Im Juni sind Wahlen zur Präsidentschaft, aber dem syrischen Volk ist längst von den amerikanischen und europäischen Regierungen, Institutionen und think-tanks das Wahlrecht entzogen worden. Ihr Schicksal ist zum Spielball der Weltmächte geworden.(...)“


Wolfgang Schürer

Der Vorsitzende der Offenbacher Freidenker, Wolfgang Schürer, lieferte einen kompakten Abriss der syrischen Geschichte seit 1920 und er betonte vor allem die Rolle von Frankreich, welches lange Zeit eine führende Rolle bei der Kolonialisierung Syriens spielte.

Anschließend wurde die Grußbotschaft der Organisation „Hände weg von Syrien – Bündnis gegen den imperialistischen Krieg, Schweiz“ verlesen, in der u.a. auf die Solidarität, die die Syrer in der Vergangenheit anderen Völkern, leisteten:
    „Seit den 50iger Jahren bietet Syrien palästinensischen Flüchtlingen, die ihre Heimat wegen dem zionistischen Terror verlassen mussten, Schutz, Unterkunft, Nahrung und Ausbildung. Ebenso bot jede syrische Regierung den von den wechselnden türkischen Juntas verfolgten KurdInnen Schutz. Heute verursachen die illegale Besatzung und der Raub der Ressourcen in Nordsyrien durch die USA, die Türkei und die von ihnen instrumentalisierten bewaffneten Milizen in Syrien eine schwere Notlage für die gesamte Bevölkerung. Es droht eine Hungersnot!“
Die Kundgebung endete mit einer Spendensammlung (siehe unten) für die Menschen in der im vergangenen Herbst durch Brände zerstörten Küstenprovinzen Latakia und Tartus, mit dem Abspielen der Nationalhymne und syrischer Musik.


Spendenaufruf "Geld für Setzlinge, Saatgut und Pflanzen"

Im vergangenen Herbst wurden in den syrischen Küstenprovinzen Latakia und Tartus 179 Dörfer und forstwirtschaftliche Betriebe durch schwere Brände ganz oder teilweise beschädigt. 40.000 Familien sind betroffen, ihre Häuser und ihr Eigentum ganz oder teilweise zerstört. Verbrannt sind Tiere, Ernten, Felder, Wälder und Naturreservate. Insgesamt seien 10.000 Zitronenbäume, 3,37 Millionen Olivenbäume und 259.000 weitere Bäume ganz oder teilweise verbrannt, heißt es in einem Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (ICRC). Wir wollen Geld für Setzlinge, Saatgut und Pflanzen sammeln, um es den Familien zukommen zu lassen, die bei den Bränden ihre Existenz verloren haben.

Das Spendenkonto lautet:
    Solidaritätskomitee für Syrien
    IBAN: DE24 5088 0050 0225 5765 00
    BIC: DRESDEFF508
    Vermerk: Saatgut für Syrien.
Bitte unterstützen Sie die Menschen in Syrien!



Abspielen der Nationalhymne Syriens


Feierkundgebung zum Unabhängigkeitstag Syriens


Fussnote:

(1) https://www.heise.de/tp/features/USA-Wir-behalten-das-syrische-Oel-4574371.html

Online-Flyer Nr. 766  vom 28.04.2021

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