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Aktueller Online-Flyer vom 18. Juni 2024  

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Kultur und Wissen
D‘Holbach: „Der Mensch ist nur darum unglücklich, weil er die Natur verkennt. Man muss ihm die Wahrheit zeigen“
Der Mensch ist gut, aber irritiert (Teil III)
Von Rudolf Hänsel

Thema der dreiteiligen Artikel-Serie ist die Wissenschaft der humanistischen Psychologie. In Teil I wurde die These aufgestellt, dass der Mensch nicht krank, sondern nicht richtig aufgeklärt sei. Der nächste Teil (II) behandelte die Frage von Krieg und Frieden. Die psychologische Erkenntnis lautete, dass der Mensch keinen angeborenen Aggressionstrieb hat, sondern dass seine Natur friedlich ist. Zu kriegerischen Auseinandersetzungen käme es allein wegen der Machtgier derer, die innerhalb der Völker als Obrigkeit fungieren würden. Aus diesem Grund sei die Menschheit fähig, ohne Waffen und Kriege zusammenzuleben. So eine Welt würde jedoch nicht von selbst entstehen, sondern einzig und allein durch den menschlichen Entschluss, durch ein Denken und Handeln, das sich am Ideal des Friedens und der Gerechtigkeit orientiert. Diesen „unbeugsamen Willen“ (Gandhi) sollte die Menschheit schon heute aufbringen. Im vorerst letzten Teil (III) bezieht sich der Autor auf die Erkenntnisse und Bücher des Philosophen der französischen Aufklärung, Baron Paul-Henry Thiry d’Holbach (1723-1789). Auch wird er aus seinem eigenen Buch zitieren: „Keinem die Macht übergeben! Ein psychologisches Manifest des gesunden Menschenverstands“ (1). Da diese religionskritischen Bücher die Auswirkungen der Religion auf die Entwicklung des Kindes und die Psyche des Menschen untersuchen, soll vorab klargestellt werden, dass es selbstverständlich das unveräußerliche Recht des religiösen Menschen bleibt, aus den Bibelworten Offenbarungen der höchsten religiösen Wahrheiten zu schöpfen. Aber ebenso ist es die unbedingte Pflicht des Forschers, historische Wahrheiten nur aus ganz einwandfreien Zeugnissen zu folgern (2).

System der Natur

D’Holbachs Buch „System der Natur“ oder „Système de la Nature ou Des Loix du Monde Physikque et du Monde Physique et du Monde Moral“ (System der Natur oder von den Gesetzen der Physischen und Moralischen Welt) erschien im Jahr 1770 unter fingierter Autorenschaft und erregte skandalöses Aufsehen, weil es nach Auffassung des französischen Klerus‘ „gottlos, gotteslästerlich und aufrührerisch“ sei (3).

Auszüge aus dem Vorwort des Verfassers lassen dies erahnen:
    „Der Mensch ist nur darum unglücklich, weil er die Natur verkennt. Sein Geist ist durch die Vorurteile derart verseucht, dass man glauben könnte, er sei für immer zum Irrtum verdammt: er ist mit dem Schleier der Anschauungen, die man von Kindheit an über ihn breitet, so fest verwachsen, dass er nur mit der größten Mühe daraus gelöst werden kann. Ein gefährlicher Gärstoff ist all seinen Kenntnissen beigemischt und macht sie notwendig schwankend, unklar und falsch: er wollte zu seinem Unglück die Grenzen seiner Sphäre überschreiten und versuchte, sich über die sichtbare Welt zu erheben. (…).

    Es gibt nur eine Wahrheit, sie ist für die Menschen notwendig, sie kann ihm niemals schaden, ihre unbesiegbare Macht wird sich früher oder später offenbaren. Darum muss sie dem menschlichen Geschlecht enthüllt werden. (…).

    Versuchen wir also, die Nebel zu verscheuchen, die den Menschen daran hindern, mit sicherem Schritt auf seinem Lebensweg voranzuschreiten, flößen wir ihm Mut und Achtung vor seiner Vernunft ein, er lerne sein Wesen und seine legitimen Rechte erkennen, er frage die Erfahrung um Rat und verzichte auf die Vorurteile seiner Kindheit; er gründe seine Moral auf seine Natur, seine Bedürfnisse, seine wirklichen Vorteile, welche die Gesellschaft ihm gewährt; er wage es, sich selbst zu lieben, er arbeite für sein eigenes Glück, indem er dasjenige der anderen fördert, mit einem Wort: er sei vernünftig und tugendhaft, um hier auf dieser Erde glücklich zu sein, und beschäftige sich nicht mit gefährlichen und unnützen Träumereien. (…).

    Wenn er Hirngespinste braucht, so erlaube er wenigstens den anderen, dass sie sich eigene zusammenspinnen, die sich von den seinigen unterscheiden; er überzeuge sich schließlich davon, dass es für die Bewohner dieser Erde sehr wichtig ist, gerecht, wohltätig und friedliebend zu sein, und dass nichts belangloser ist, als über Dinge nachzudenken, die der Vernunft unzugänglich sind.“ (4)
Der deutsche Philosoph Immanuel Kant definierte „Aufklärung“ im Jahr 1784 folgendermaßen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne die Leitung eines anderen zu bedienen.“ (5) Sein Wahlspruch lautete „Sapere aude!“ (Wage zu wissen) oder „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Ein Grund für die Unmündigkeit selbst zu denken, ist nach Kant Faulheit und Feigheit. Unmündig zu sein, sei bequem und eigenständiges Denken „ein verdrießliches Geschäft“. So werde es für andere leicht, meint Kant, sich zu „Vormündern“ dieser unmündigen Menschen aufzuschwingen. Für einen verwöhnten und denkfaulen Menschen ist es bequemer, sich der Anleitung einer Autorität zu bedienen und sich im Einklang mit den vermeintlich Mächtigen und ihren Massenmedien zu befinden, weil man sich dann stets auf der „richtigen“ Seite befindet und sich auf die vermeintlich „unfehlbare“ Macht berufen kann (6).

„Kadavergehorsam“ und gesunder Menschenverstand

Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens, verfasste Mitte des 16. Jahrhunderts einen Text, auf den das deutsche Wort „Kadavergehorsam“ zurückzuführen ist. In der vom Spanischen ins Lateinische übertragenen und von der Ordenskongregation 1558 veröffentlichen Fassung heißt es (übersetzt):

„Wir sollten uns dessen bewusst sein, dass ein jeder von denen, die im Gehorsam leben, sich von der göttlichen Vorsehung mittels des Oberen führen und leiten lassen muss, als sei er ein toter Körper, der sich wohin auch immer bringen und auf welche Weise auch immer behandeln lässt, oder wie ein Stab eines alten Mannes, der dient, wo und wozu auch immer ihn der benutzen will.“ (7)

Doch zurück zum Aufklärer und Enzyklopädisten Baron Paul-Henry Thiry d‘Holbach: 1772, gerade einmal zwei Jahre nach Veröffentlichung von “System der Natur“, erschien unter dem Titel „LE BONS SENS DU CURE MESLIER“ sein Buch „Der gesunde Menschenverstand“. Um sich der Verfolgung durch die „heilige Inquisition“ zu entziehen, veröffentlichte Holbach seine Gedanken auch dieses Mal unter dem Namen eines Verstorbenen: des freidenkenden Pfarrers Jean Meslier. Dieser durfte es in seiner Amtszeit nicht wagen, der Kirchengemeinde seine kritischen Gedanken zu vermitteln. Die 1878 erschienene deutsche Übersetzung lautet: „Der gesunde Menschenverstand oder das religiöse Testament des Pfarrers Meslier. Eine religiöse-philosophische Abhandlung über den Begriff „Religion“ und über die Existenz eines göttlichen schöpferischen Wesens – Dem geistig fortgeschrittenen Volke gewidmet.“ (8)

Bereits in der Einleitung schreibt Holbach: „Es ist vergebene Mühe, die Menschen von ihren Lastern heilen zu wollen, wenn man nicht mit der Heilung ihrer Vorurtheile beginnt. Man muss ihnen die Wahrheit zeigen, damit sie ihre theuersten Interessen kennen lernen, und die wahren Motive, welche sie der Tugend und ihrem wahren Glück zuführen. (…). Sagen wir den Menschen, dass sie gerecht sein sollen, wohltätig, mäßig und gesellig, nicht weil es ihre Götter verlangen, sondern weil man seinen Nebenmenschen zu gefallen suchen muss; sagen wir ihnen, dass sie sich der Sünde und des Lasters enthalten sollen, nicht weil man in einer andern Welt gestraft wird, sondern weil sich das Böse schon in diesem Leben bestraft. (…).“ (9)

Zur Frage des Mutes, sich kritisch über die Religion zu äußern, schreibt Holbach am Ende seines Buches: „Es war nicht erlaubt, irgendeine Entdeckung zu machen. (…). Nur mit Zittern konnten die grössten Männer die Wahrheit fühlen; nur selten hatten sie den Muth, sie auszusprechen. Jene, die es gewagt haben, wurden gewöhnlich für ihre Kühnheit bestraft. Die Religion ist nie so gnädig gewesen, das laute Denken zu erlauben, oder die Vorurtheile zu bekämpfen, denen der Mensch überall als Opfer und als Narr gedient hat.“ (10)

Der Einfluss der Gesellschaft auf die religiöse Einstellung der Menschen

Der Mensch wird weder religiös noch gottesgläubig geboren. Das geistig gesunde und unverkrüppelte Kind gerät jedoch in eine Gesellschaft, in der wahnhafte Ideen und Illusionen vorherrschen.

Nach Karl Marx ist das metaphysische Bedürfnis des Menschen nur ein Protest gegen das Elend dieser Welt, weil er wirtschaftlichen Nöten ebenso macht- und ratlos gegenübersteht wie den Kräften der Natur oder Krisen und Kriegen.

Marx durchschaute das Getriebe der Gesellschaft und kam zu der Erkenntnis, dass der Mensch sich nicht ändern könne, bevor sich nicht die Struktur der Gesellschaft geändert hat. Solange im Diesseits nicht jeder menschenwürdig und ohne Furcht leben könne, werde es den Glauben an ein besseres Jenseits, an eine ausgleichende Gerechtigkeit geben: „Die Religion ist das Streben nach illusorischem Glück des Volkes, das einem Zustand der Gesellschaft entspringt, welcher der Illusion bedarf.“ (11)

Wirtschaftliche Faktoren verstärken oder hemmen die religiöse Einstellung eines Menschen. Schon Ludwig Feuerbach (1804-1875) – deutscher Philosoph, Anthropologe und Religionskritiker, dessen Erkenntnisstandpunkt für die modernen Humanwissenschaften wie Psychologie und Ethnologie grundlegend geworden sind – fordert, dass der Mensch endlich damit aufhören müsse, ein Spielball der menschenfeindlichen Mächte zu sein, die sich der Religion zur Unterdrückung bedienen (12).

Auch für Sigmund Freud (1856-1939) war die Religion eine Illusion, entstanden aus sehr alten, heftigen Wünschen der Menschen: dem Verlangen nach einer gerechten Weltordnung, nach Freiheit von Not sowie dem Wunsch nach Ewigkeit der persönlichen Existenz, gedacht als zukünftiges Leben in einem Himmel (13).

Die Einschüchterung von Verstand und Vernunft beginnt in der Kindheit

Paul-Henri Thiry d‘Holbach schreibt hierzu in „Der gesunde Menschenverstand“: „Die Grundsätze aller Religionen gründen sich auf die Gottesidee; aber es ist unmöglich, dass die Menschen von einem Wesen wahre Begriffe haben können, das auf keinen ihrer Sinne wirkt. Alle unsere Begriffe werden von Gegenständen hergeleitet, die wir wahrnehmen. Was kann uns aber den Begriff eines Gottes darstellen, der unbedingt nur eine Idee ohne Object ist?“ (14)

Dem Kind werden jedoch Dinge beigebracht, die ihm wesensfremd sind und seine Vernunft nicht erfordern. Kaum zeigen sich die ersten seelischen Regungen und es lernt zu sprechen, wird es von der Gesellschaft, den Eltern und der Kirche „in Obhut genommen“. Es wird ihm klar gemacht, dass sich sein Wesen bezüglich des Naturgefühls und der Weltanschauung nicht frei entwickeln darf. Will es verhindern, mit höllischen Peinigungen bestraft zu werden, muss es sein Wesen in eine bestimmte kirchliche Form pressen.

Bildet sich dann im dritten Lebensjahr das Bewusstsein des „Ichs“, so schalten sich bereits Gott und Teufel der betreffenden Religion ein und lehren das Kind, nicht auf sich selbst zu vertrauen, sondern sich von übernatürlichen Mächten führen und beherrschen zu lassen. So lernt das Kind die Dämonenfurcht kennen. Auch die „Tugenden“ der Unterwürfigkeit, des Gehorsams und der Demut prägen sich ein. Das Kind darf sich nicht natürlich und ungezwungen entwickeln. Psychiater diagnostizieren als Folge bisweilen Angstneurosen und seelische Störungen.

Mit diesem Vorgehen wird ein starker und lähmender Druck auf die Kinderseelen ausgeübt. Keine noch so diktatorische und totalitäre politische Organisation ist imstande, einen solch lähmenden Druck auf Kinderseelen auszuüben. Diese seelische Vergewaltigung ist schlimmer und nachhaltiger als jede körperliche (15).

Als Erwachsener weist der Mensch dann im weltanschaulichen Denken die „Deformationen“ auf, die ihm in der Kindheit zugefügt worden sind. So ist er in der Ich-Entfaltung gehemmt, den Priestern gegenüber aber hörig. In weltanschaulichen Gesprächen müssen die Reste des gesunden Menschenverstandes oft niedergekämpft werden und sich selbst gegenüber muss man unehrlich sein.

Dem Andersdenkenden gegenüber ist der religiöse Mensch nicht selten hochmütig und kommt sich erhaben vor. So betrachtet er den Nichtgläubigen oft als einen dummen oder geistig nicht normalen und kranken Menschen. Im täglichen Leben dieses religiösen Erwachsenen hingegen beobachtet man manchmal ein starkes menschliches Hingabebedürfnis und einen blinden Gehorsam gegenüber Autoritäten und religiösen Führern.

Schulen und Universitäten sind öffentliche Einrichtungen

Die Religion und jede andere Art von Okkultismus sind Privatsache der Eltern und ihrer Kinder und deshalb als Sonderfach der Schule abzulehnen. Die Schule muss konfessionsfrei sein. Sie hat in erster Linie die Überzeugung zu vermitteln, dass erfahrungsgemäßes Wissen, Verstand und Vernunft immer und überall Vorrang haben.

An Universitäten sollte nur eine religionswissenschaftliche Fakultät zugelassen werden; die Theologie hat nicht den Rang einer Wissenschaft. Die Theologie sollte auf Priesterseminare beschränkt sein.

Der Jugend müssen in der Erziehung von Anfang an Werte vermittelt werden, die dem Heute entsprechen und die auch im Erwachsenenalter noch Gültigkeit haben. Dem Schüler muss gezeigt werden, dass es eine hochstehende Ethik auch ohne Glaubensvorstellungen gibt. Dem jungen Menschen sollte dazu verhelfen werden, sein eigenes Wesen ohne Einschnürung durch eine Konfession auszuprägen. Dieser Mensch wird im Allgemeinen auch moralisch sein.

Die Schule hat die eigene Kraft und das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu stärken, vom eigenen geliebten Seelenheil abzulenken auf das Heil der Allgemeinheit, auf die Notwendigkeit der Hilfsbereitschaft, auf ein Ideal, das die höchste sittliche Kraft nicht mehr in der religiösen, sondern in der sozialen Idee sieht, in der Schaffung eines „Paradieses“ der Humanität auf Erden. (16)


Fußnoten

(1) Hänsel, Rudolf (2020). Keinem die Macht übergeben! Ein psychologisches Manifest des gesunden Menschenverstands. Gornji Milanovac. Siehe auch Kurzfassung des Buches in: „Neue Rheinische Zeitung“ und „Global Research“.
(2) A. a. O., S. 57
(3) D’Holbach, Paul-Henri Thiry (1978). System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und moralischen Welt, Frankfurt a. M., S. 2
(4) A. a. O., S. 11ff.
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant
(6) Hänsel, Rudolf (2020). Keinem die Macht übergeben! S. 32
(7) https://de.wikipedia.org/wiki/Kadavergehorsam
(8) D’Holbach, Paul-Henri Thiry (1976). Der gesunde Menschenverstand des Pfarrers Meslier. Zürich
(9) A. a. O., S. 4ff.
(10) A. a. O., S. 160
(11) https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Deutsche_Ideologie
(12) https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Feuerbach
(13) Hänsel, Rudolf (2020). Keinem die Macht übergeben! S. 61
(14) D’Holbach, Paul-Henri Thiry (1976). Der gesunde Menschenverstand des Pfarrers Meslier. Zürich, S. 9
(15) Hänsel, Rudolf (2020). Keinem die Macht übergeben! S. 64
(16) A. a. O., S. 66ff.



Teil I:
Er ist nicht krank, er ist nicht richtig aufgeklärt
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28490

Teil II:
Die Menschheit ist fähig, ohne Waffen und Kriege zusammenzuleben, weil die Natur des Menschen friedlich ist.
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28491



English version:
Man is good, but irritated (Part III)
D'Holbach: "Man is only unhappy because he misjudges nature. He must be shown the truth"

By Dr. Rudolf Hänsel

The subject of this three-part series of articles is the science of humanistic psychology. In Part I, the thesis was put forward that man is not ill, but not properly enlightened. The next part (II) dealt with the question of war and peace. The psychological insight was that man has no innate aggression instinct, but that his nature is peaceful. War would only occur because of the greed for power of those who would act as authorities within the nations. For this reason, humanity would be able to live together without weapons and wars. Such a world, however, would not come into being of its own accord, but solely through human resolve, through thought and action oriented towards the ideal of peace and justice. Humanity should muster this "indomitable will" (Gandhi) already today. In the last part (III) for the time being, the author refers to the insights and books of the philosopher of the French Enlightenment, Baron Paul-Henry Thiry d'Holbach (1723-1789). He will also quote from his own book: "Handing over power to no one! A Psychological Manifesto of Common Sense" (1). Since these books critical of religion examine the effects of religion on the development of the child and the psyche of the human being, it should be made clear at the outset that it remains, of course, the inalienable right of the religious person to draw revelations of the highest religious truths from the words of the Bible. But it is likewise the unconditional duty of the researcher to infer historical truths only from completely impeccable testimonies (2).

System of Nature

D'Holbach's book System of Nature or Système de la Nature ou Des Loix du Monde Physikque et du Monde Physique et du Monde Moral (System of Nature or of the Laws of the Physical and Moral World) was published in 1770 under fictitious authorship and caused a scandalous stir because, in the opinion of the French clergy, it was "godless, blasphemous and seditious" (3).

Excerpts from the author's preface suggest this:
    "Man is unhappy only because he misjudges nature. His mind is so contaminated by prejudice that one could believe he is condemned to error forever: he is so tightly bound up with the veil of views that has been spread over him from childhood that he can only be released from it with the greatest difficulty. A dangerous ferment is mixed with all his knowledge and makes it necessarily wavering, unclear and false: to his misfortune he wanted to transcend the limits of his sphere and tried to raise himself above the visible world. (...).

    There is only one truth, it is necessary for man, it can never harm him, its invincible power will reveal itself sooner or later. That is why it must be revealed to the human race. (...).

    Let us try, then, to dispel the mists which prevent man from advancing with a sure step on his path through life, let us instil in him courage and respect for his reason, let him learn to recognise his nature and his legitimate rights, let him ask the advice of experience and renounce the prejudices of his childhood; let him base his morality on his nature, his needs, his real advantages which society affords him; let him dare to love himself, let him work for his own happiness by promoting that of others, in a word: he is sensible and virtuous in order to be happy here on this earth, and does not occupy himself with dangerous and useless reveries. (...).

    If he needs fantasies, let him at least allow others to spin up some of their own that are different from his own; finally, let him convince himself that it is very important for the inhabitants of this earth to be just, charitable, and peace-loving, and that nothing is more trivial than thinking about things that are inaccessible to reason." (4)
The German philosopher Immanuel Kant defined "Enlightenment" in 1784 as follows: "Enlightenment is the exit of man from his self-inflicted immaturity. Immaturity is the inability to use one's intellect without the guidance of another." (5) His motto was "Sapere aude!" (Dare to know) or "Have the courage to use your own understanding!"

According to Kant, one reason for not being able to think for oneself is laziness and cowardice. Being immature is comfortable and thinking for oneself is "a vexatious business". This makes it easy for others, Kant believes, to become the "guardians" of these immature people. For a spoiled and thoughtless person, it is more comfortable to use the guidance of an authority and to be in harmony with the supposedly powerful and their mass media, because then one is always on the "right" side and can refer to the supposedly "infallible" power (6).

"Kadavergehorsam" and common sense

Ignatius of Loyola, the founder of the Jesuit Order, wrote a text in the mid-16th century to which the German word "Kadavergehorsam" can be traced. The version translated from Spanish into Latin and published by the Congregation of the Order in 1558 states (translated): "We should be aware that each one of those who live in obedience must allow himself to be led and guided by divine Providence by means of the superior, as if he were a dead body to be taken wherever and treated in whatever way, or like a staff of an old man to serve wherever and for whatever the wants to use him." (7)

But back to the Enlightenment philosopher and encyclopaedist Baron Paul-Henry Thiry d'Holbach: In 1772, just two years after the publication of "System of Nature", his book "Common Sense" appeared under the title "LE BONS SENS DU CURE MESLIER". In order to avoid persecution by the "Holy Inquisition", Holbach again published his thoughts under the name of a deceased person: the free-thinking priest Jean Meslier. During his time in office, the latter was not allowed to dare communicate his critical thoughts to the church congregation. The German translation published in 1878 reads: "Der gesunde Menschenverstand oder das religiöse Testament des Pfarrers Meslier. A religious-philosophical treatise on the concept of "religion" and on the existence of a divine creative being - Dedicated to the spiritually advanced people." (8)

Already in the introduction Holbach writes: "It is a vain effort to try to cure people of their vices if one does not begin by curing their prejudices. One must show them the truth, so that they get to know their most precious interests and the true motives that lead them to virtue and their true happiness. (...). Let us tell men to be just, charitable, temperate and sociable, not because their gods demand it, but because one must seek to please one's fellow men; let us tell them to abstain from sin and vice, not because one will be punished in another world, but because evil punishes itself already in this life. (...)." (9)

On the question of courage to be critical of religion, Holbach writes at the end of his book: "It was not permitted to make any discovery. (...). Only with trembling could the greatest men feel the truth; only rarely did they have the courage to speak it. Those who dared were usually punished for their audacity. Religion has never been so gracious as to permit thinking aloud, or to combat the prejudices to which man has everywhere served as a victim and a fool." (10)

The influence of society on people's religious attitudes

Man is born neither religious nor believing in God. The mentally healthy and uncrippled child, however, comes into a society in which delusional ideas and illusions prevail.

According to Karl Marx, man's metaphysical need is only a protest against the misery of this world, because he is just as powerless and helpless in the face of economic hardships as he is in the face of the forces of nature or crises and wars.

Marx saw through the gears of society and came to the conclusion that man cannot change until the structure of society has changed. As long as everyone could not live humanely and without fear in this world, there would be a belief in a better hereafter, in a balancing justice: "Religion is the striving for illusory happiness of the people, which springs from a state of society which needs illusion." (11)

Economic factors strengthen or inhibit a person's religious attitude. Ludwig Feuerbach (1804-1875) – German philosopher, anthropologist and critic of religion, whose epistemological standpoint has become fundamental for modern human sciences such as psychology and ethnology – already demands that man must finally stop being a plaything of the anti-human powers that use religion for oppression (12).

For Sigmund Freud (1856-1939), too, religion was an illusion, born of very old, fierce human desires: the desire for a just world order, for freedom from want, as well as the desire for eternity of personal existence, conceived as a future life in a heaven (13).

The intimidation of intellect and reason begins in childhood

Paul-Henri Thiry d'Holbach writes on this subject in "Common Sense": "The principles of all religions are founded on the idea of God; but it is impossible for men to have true concepts of a Being who does not act on any of their senses. All our concepts are derived from objects which we perceive. But what can represent to us the concept of a God who is necessarily only an idea without an object?" (14)

However, the child is taught things that are foreign to its nature and do not require its reason. No sooner do the first mental impulses appear and the child learns to speak than it is "taken into care" by society, parents and the church. It is made clear to it that its nature is not allowed to develop freely with regard to the feeling for nature and the world view. If it wants to avoid being punished with hellish chastisements, it must press its nature into a certain ecclesiastical form.

If the consciousness of the "I" then forms in the third year of life, the god and devil of the religion in question already intervene and teach the child not to trust in itself, but to let itself be guided and controlled by supernatural powers. Thus the child learns about the fear of demons. The "virtues" of submissiveness, obedience and humility are also imprinted. The child is not allowed to develop naturally and freely. Psychiatrists sometimes diagnose anxiety neuroses and mental disorders as a result. 

With this approach, a strong and paralysing pressure is exerted on the child's soul. No political organisation, no matter how dictatorial and totalitarian, is capable of exerting such paralysing pressure on children's souls. This mental rape is worse and more lasting than any physical rape (15).

As an adult, the person then shows in worldly thinking the "deformations" that were inflicted on him in childhood. Thus he is inhibited in the development of the ego, but is in bondage to the priests. In ideological discussions, the remnants of common sense often have to be fought down and one has to be dishonest with oneself.

Religious people are often haughty towards those who think differently, and they feel exalted. Thus he often regards the non-believer as a stupid or mentally abnormal and sick person. In the daily life of this religious adult, on the other hand, one sometimes observes a strong human need for devotion and a blind obedience to authority and religious leaders.

Schools and universities are public institutions

Religion and any other kind of occultism are private matters for parents and their children and must therefore be rejected as a special subject in schools. The school must be non-denominational. It must first and foremost convey the conviction that experiential knowledge, understanding and reason always and everywhere have priority.

Only a faculty of religious studies should be admitted to universities; theology does not have the rank of a science. Theology should be confined to seminaries.

In education, the youth must be taught values from the beginning that correspond to today and are still valid in adulthood. The pupil must be shown that there is a high ethic even without beliefs. The young person should be helped to develop his or her own nature without being constricted by a denomination. This person will generally also be moral.

The school has to strengthen the young people's own strength and self-confidence, to divert attention from their own beloved salvation to the salvation of the general public, to the necessity of helpfulness, to an ideal which no longer sees the highest moral force in the religious but in the social idea, in the creation of a "paradise" of humanity on earth. (16)


Footnotes:

(1) Hänsel, Rudolf (2020). Handing over power to no one! A psychological manifesto of common sense. Gornji Milanovac. See also abridged version of the book in: "Neue Rheinische Zeitung" and "Global Research".
(2) op. cit., p. 57
(3) D'Holbach, Paul-Henri Thiry (1978). System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und moralischen Welt, Frankfurt a. M., p. 2.
(4) op. cit., p. 11ff.
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant
(6) Hänsel, Rudolf (2020). Handing over power to no one! S. 32
(7) https://de.wikipedia.org/wiki/Kadavergehorsam
(8) D'Holbach, Paul-Henri Thiry (1976). The common sense of the priest Meslier. Zurich
(9) op. cit., p. 4ff.
(10) op. cit., p. 160
(11) https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Deutsche_Ideologie
(12) https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Feuerbach
(13) Hänsel, Rudolf (2020). Handing over power to no one! S. 61
(14) D'Holbach, Paul-Henri Thiry (1976). The common sense of the priest Meslier. Zurich, p. 9
(15) Hänsel, Rudolf (2020). Handing over power to no one! S. 64
(16) op. cit., p. 66ff.



Part I:
He is not ill, he is not properly enlightened
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28490

Part II:
Humanity is capable of living together without weapons and wars because human nature is peaceful.
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28491



Dr. Rudolf Lothar Hänsel ist Schul-Rektor, Erziehungswissenschaftler (Dr. paed.) und Psychologe (Dipl.-Psych.). Nach seinen Universitätsstudien wurde er wissenschaftlicher Lehrer (Professor) in der Erwachsenenbildung: unter anderem Leiter eines freien Schul-Modell-Versuchs und Fortbildner bayerischer Beratungslehrkräfte und Schulpsychologen. Als Pensionär arbeitete er als Psychotherapeut in eigener Praxis. Bei einer Öffentlichen Anhörung zur Jugendkriminalität im Europa-Parlament war er Berichterstatter für Deutschland. In seinen Büchern und Fachartikeln fordert er eine bewusste ethisch-moralische Werteerziehung sowie eine Erziehung zu Gemeinsinn und Frieden. Für seine Verdienste um Serbien bekam er 2021 von den Universitäten Belgrad und Novi Sad den Republik-Preis „Kapitän Misa Anastasijevic“ verliehen.

Dr. Rudolf Lothar Hänsel is a school rector, educationalist (Dr. paed.) and psychologist (Dipl.-Psych.). After his university studies, he became an academic teacher (professor) in adult education: among other things, he was head of an independent school model trial and in-service trainer of Bavarian counselling teachers and school psychologists. As a retiree, he worked as a psychotherapist in private practice. He was rapporteur for Germany at a public hearing on juvenile delinquency in the European Parliament. In his books and articles, he calls for a conscious ethical-moral education and an education for public spirit and peace. For his services to Serbia, he was awarded the Republic Prize "Captain Misa Anastasijevic" by the Universities of Belgrade and Novi Sad in 2021.




Online-Flyer Nr. 807  vom 01.03.2023

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