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Aus der Quartalsschrift DAS KROKODIL, Ausgabe 55
Das Super-Debakel vom 4. Dezember
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
Die Herrschaftsmedien sind entsetzt. Sie diagnostizieren mit den Worten eines "grünen" EU-Politikers einen "Stich in den Rücken Europas im Moment der größten sicherheitspolitischen Not" und ein "Ende des gegenseitigen Vertrauens". Es sei der "Beginn der Vorbereitung zum Ausstieg der USA aus der NATO-Solidarität". Washington habe die Seiten gewechselt. Die USA sähen Europa nicht mehr als Partner, sondern als Hindernis. So ist es in der Frankfurter Rundschau zu lesen. (1) Der Deutschlandfunk spricht in dramatischen Worten von einer "zweiten Zeitenwende für Europa" und einem "Scheidungspapier". (2) Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stünden die USA nicht mehr an der Seite der Europäer. Und die USA stünden auch nicht mehr an der Seite der Ukraine, gegen die ein brutaler Vernichtungskrieg geführt werde. So gibt die Tagesschau Äußerungen des CDU-Außenpolitikers Norbert Röttgen wieder. Ziel sei es, mit den inneren Feinden der liberalen Demokratie in Europa zusammenzuarbeiten – in Deutschland ist das die AfD. Und weiter die Tagesschau: "Russlands Führung" habe die neue Ausrichtung der USA gelobt: "Die erfolgten Änderungen in der US-Strategie stünden 'weitgehend in Übereinstimmung' mit der Sichtweise Russlands, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow im staatlichen russischen TV-Sender Rossija." (3)

Was war geschehen? Am 4. Dezember 2025 wurde die neue "Nationale Sicherheitsstrategie" der USA veröffentlicht. Darin heißt es insbesondere: "Our broad policy for Europe should prioritize... Ending the perception, and preventing the reality, of NATO as a perpetually expanding alliance." Zu deutsch: "Unsere umfassende Politik für Europa sollte folgende Prioritäten verfolgen... Der Vorstellung, dass die NATO ein sich ständig erweiterndes Bündnis ist, ein Ende setzen und dies auch in der Realität verhindern." (4)(5)
Strategische Stabilität mit Russland wiederherstellen
Während Werner Rügemer diese Zielvorstellungen in seiner Analyse des Strategie-Papiers unerwähnt lässt (6), deutet Rainer Rupp an, was damit ausgesagt ist: "Radikale Veränderungen sind auch für die NATO geplant. Statt weiterer Expansion soll die NATO wieder auf ihre Kernaufgaben reduziert werden." (7) Helga Zepp-LaRouche wird deutlicher: "Das Dokument verbietet ausdrücklich die weitere Expansion der NATO – damit ist ein Beitritt der Ukraine zur NATO faktisch vom Tisch." (8) Wolfgang Effenberger führt aus: "Ziel der USA wird es sein, den anti-russischen Kurs Europas zu ändern und das Konfliktrisiko zwischen Russland und europäischen Staaten zu verringern. Das US-Hauptinteresse bestehe darin, sich auf eine rasche Beendigung des Konflikts in der Ukraine zu einigen und die strategische Stabilität mit Russland wiederherzustellen. Vor diesem Hintergrund begrüßte Russland die neue US-Sicherheitsstrategie als großen Fortschritt für die beiderseitigen Beziehungen. 'Die Änderung der nationalen Sicherheitsstrategie der USA durch die Regierung von Präsident Donald Trump, in der Russland nicht mehr als direkte Bedrohung erwähnt wird, ist ein positiver Schritt', betonte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow." (9)
Hinsichtlich Ukraine und Russland besagt die neue "Nationale Sicherheitsstrategie" wörtlich (in deutscher Übersetzung): "Es liegt im zentralen Interesse der Vereinigten Staaten, eine rasche Beendigung der Feindseligkeiten in der Ukraine auszuhandeln, um die europäischen Volkswirtschaften zu stabilisieren, eine unbeabsichtigte Eskalation oder Ausweitung des Krieges zu verhindern, die strategische Stabilität mit Russland wiederherzustellen und den Wiederaufbau der Ukraine nach Beendigung der Feindseligkeiten zu ermöglichen, damit sie als lebensfähiger Staat überleben kann." Und weiter: "Der Krieg in der Ukraine hat den perversen Effekt gehabt, die Abhängigkeit Europas, insbesondere Deutschlands, vom Ausland zu erhöhen. Heute bauen deutsche Chemieunternehmen einige der weltweit größten Verarbeitungsanlagen in China und verwenden dabei russisches Gas, das sie im eigenen Land nicht bekommen können. Die Trump-Regierung steht im Widerspruch zu europäischen Politikern, die unrealistische Erwartungen an den Krieg haben und in instabilen Minderheitsregierungen sitzen, von denen viele grundlegende Prinzipien der Demokratie mit Füßen treten, um die Opposition zu unterdrücken. Eine große Mehrheit der Europäer wünscht sich Frieden, doch dieser Wunsch schlägt sich nicht in der Politik nieder, was zum großen Teil auf die Untergrabung demokratischer Prozesse durch diese Regierungen zurückzuführen ist." (5)
Der Deutschlandfunk analysiert: "Russland wird in der neuen US-Strategie kaum erwähnt, jedenfalls nicht als Bedrohung. Das ist ein großer Unterschied zur Sicherheitsstrategie der Trump-Administration von 2017, in der Russland noch als Bedrohung charakterisiert wurde. Damals hieß es, Russland versuche, die US-amerikanische Sicherheit zu untergraben und die USA und Europa zu entzweien. In dem neuen Papier heißt es dagegen, mit Russland müsse eine 'strategische Stabilität' hergestellt werden. Es sei das Interesse Washingtons, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Russlands Führung nahm das US-Papier positiv auf. Die erfolgten Änderungen in der US-Strategie stünden 'weitgehend in Übereinstimmung' mit der Sichtweise Russlands, hieß es. Es sei fast physisch schmerzhaft, diese Reaktion Russlands zusammen mit diesen Passagen zu lesen, meint [Christoph] Heusgen [ehemaliger Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz] dazu." (2)
China als wirtschaftlicher Kontrahent
Auch China wird von den USA nicht als militärisch zu bekämpfender Gegner sondern als wirtschaftlicher Konkurent beschrieben: Es gehe in Zukunft darum, die wirtschaftlichen Beziehungen Amerikas zu China neu auszubalancieren und dabei Gegenseitigkeit und Fairness in den Vordergrund zu stellen, um die wirtschaftliche Unabhängigkeit der USA wiederherzustellen. Bezogen auf Asien heißt es in der neuen "Nationalen Sicherheitsstrategie": "Die wirtschaftliche Zukunft gewinnen, militärische Konfrontationen verhindern". Das Papier kritisiert die Öffnung der US-Märkte für China. In China zu investieren und die Auslagerung der Produktion nach China hätten nicht zum Eintritt Chinas in die sogenannte "regelbasierte internationale Ordnung" geführt. Wörtlich heißt es in deutscher Übersetzung: "China wurde reich und mächtig und nutzte seinen Reichtum und seine Macht zu seinem erheblichen Vorteil. Die amerikanischen Eliten – über vier aufeinanderfolgende Regierungen beider politischer Parteien hinweg – waren entweder willige Unterstützer der chinesischen Strategie oder leugneten sie. Der indopazifische Raum erwirtschaftet bereits fast die Hälfte des weltweiten BIP... Dieser Anteil wird im Laufe des 21. Jahrhunderts mit Sicherheit weiter wachsen. Das bedeutet, dass der indopazifische Raum bereits heute und auch im nächsten Jahrhundert zu den wichtigsten wirtschaftlichen und geopolitischen Schauplätzen gehören wird. Um im eigenen Land erfolgreich zu sein, müssen wir uns dort erfolgreich im Wettbewerb behaupten – und das tun wir auch. Präsident Trump unterzeichnete während seiner Reisen im Oktober 2025 wichtige Abkommen, die unsere starken Beziehungen in den Bereichen Handel, Kultur, Technologie und Verteidigung weiter vertiefen und unser Engagement für einen freien und offenen Indo-Pazifik bekräftigen. Amerika verfügt nach wie vor über enorme Vorteile – die stärkste Wirtschaft und das stärkste Militär der Welt, weltweit führende Innovationen, eine unvergleichliche 'Soft Power' und eine lange Tradition der Unterstützung unserer Verbündeten und Partner –, die es uns ermöglichen, erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen. Präsident Trump baut Allianzen auf und stärkt Partnerschaften im indopazifischen Raum, die auch in Zukunft das Fundament für Sicherheit und Wohlstand bilden werden." (5)
Der Deutschlandfunk kommentiert: "Das Papier bekräftigt damit also abermals die bereits bekannte Position des 'America First'. Die Ankündigung, das militärische Engagement der USA in der Welt zu verringern – auch in Europa – passt in dieses Bild... Trumps Vorgänger, Präsident Joe Biden, hatte dagegen in seinem Strategiepapier den Schwerpunkt der Auseinandersetzungen auf China und Russland gelegt. Was bedeutet das für Europa? Das Papier verdeutlicht die Konfrontation zwischen Washington und der Europäischen Union. Europa und USA zeigen sich als zwei geteilte Welten. Eine vergleichbare Bruchlinie zieht sich durch die NATO." (2) Ein Super-Debakel!
Frankfurter Rundschau zeichnet das Horrorszenario so: "Rechts- und linksextreme Kräfte setzten die europäischen Demokratien unter einen massiven Druck – unterstützt von russischen Desinformationskampagnen. 'Während diese Kräfte auf die Abschaffung der Demokratie zielen, versteht Trump seinem fragwürdigen Politikverständnis folgend diese Kräfte aber vielmehr als Ausdruck von Demokratie', sagte das EVP-Fraktionsmitglied [EU-Sicherheitspolitiker Michael Gahler]. Trump wolle wie Russlands Präsident Wladimir Putin die Europäische Union spalten. Darin liege die eigentliche Gefahr für die demokratische Mitte." (1)
Fußnoten:
1 Jan-Frederik Wendt in der Frankfurter Rundschau am 18.12.2025
Trumps Sicherheitsstrategie wie „Stich in Europas Rücken“ – EU-Politiker warnt vor gefährlichem Szenario
https://www.fr.de/politik/trumps-sicherheitsstrategie-wie-stich-in-europas-ruecken-eu-politiker-warnt-vor-gefaehrlichem-szenario-zr-94090968.html
2 deutschlandfunk.de am 11.12.2025
Sicherheitsstrategie der USA - Eine zweite Zeitenwende für Europa?
https://www.deutschlandfunk.de/usa-sicherheitsstrategie-europa-eu-nato-russland-100.html
3 tagesschau.de am 08.12.2025
Reaktionen auf US-Sicherheitsstrategie "Die USA stehen nicht mehr an der Seite der Europäer"
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/us-sicherheitsstrategie-reaktionen-100.html
4 Nationale Sicherheitsstrategie der USA vom November 2025 (veröffentlicht am 4. Dezember 2025)
https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf
5 Nationale Sicherheitsstrategie der USA vom November 2025 in deutscher Übersetzung
https://www.cueni.ch/vollstaendige-deutsche-uebersetzung/
6 Werner Rügemer am 10.12.2025 bei NachDenkSeiten
Gottes mächtigstes Land – wieder und für immer!
https://www.nachdenkseiten.de/?p=143409
7 Rainer Rupp am 06.12.2025 bei RTdeutsch
Neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA – Radikaler Kurswechsel unter Trump
https://weltexpress.info/neue-nationale-sicherheitsstrategie-der-usa-radikaler-kurswechsel-unter-trump/
8 Helga Zepp-LaRouche am 08.12.2025
Austritt aus der NATO! Neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA erfordert neue Sicherheitsarchitektur
https://schillerinstitute.com/de/blog/2025/12/08/austritt-aus-der-nato-neue-nationale-sicherheitsstrategie-der-usa-erfordert-neue-sicherheitsarchitektur/
9 Wolfgang Effenberger am 12.12.2025 bei Apolut
28-Punkte-Wirrwar und eine neue US-Sicherheitsdirektive - Zweifel an Friedensabsicht bleiben
https://apolut.net/28-punkte-wirrwar-und-eine-neue-us-sicherheitsdirektive-von-wolfgang-effenberger/
Veröffentlichung aus der Quartalsschrift DAS KROKODIL, Ausgabe 55 (Dezember 2025) – Grundsatzschrift über die Freiheit des Denkens – bissig – streitbar – schön und wahr und (manchmal) satirisch.

Mehr dazu und wie es sich bestellen lässt, hier: http://www.das-krokodil.com/
Online-Flyer Nr. 856 vom 31.12.2025
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Aktuelles
Aus der Quartalsschrift DAS KROKODIL, Ausgabe 55
Das Super-Debakel vom 4. Dezember
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
Die Herrschaftsmedien sind entsetzt. Sie diagnostizieren mit den Worten eines "grünen" EU-Politikers einen "Stich in den Rücken Europas im Moment der größten sicherheitspolitischen Not" und ein "Ende des gegenseitigen Vertrauens". Es sei der "Beginn der Vorbereitung zum Ausstieg der USA aus der NATO-Solidarität". Washington habe die Seiten gewechselt. Die USA sähen Europa nicht mehr als Partner, sondern als Hindernis. So ist es in der Frankfurter Rundschau zu lesen. (1) Der Deutschlandfunk spricht in dramatischen Worten von einer "zweiten Zeitenwende für Europa" und einem "Scheidungspapier". (2) Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stünden die USA nicht mehr an der Seite der Europäer. Und die USA stünden auch nicht mehr an der Seite der Ukraine, gegen die ein brutaler Vernichtungskrieg geführt werde. So gibt die Tagesschau Äußerungen des CDU-Außenpolitikers Norbert Röttgen wieder. Ziel sei es, mit den inneren Feinden der liberalen Demokratie in Europa zusammenzuarbeiten – in Deutschland ist das die AfD. Und weiter die Tagesschau: "Russlands Führung" habe die neue Ausrichtung der USA gelobt: "Die erfolgten Änderungen in der US-Strategie stünden 'weitgehend in Übereinstimmung' mit der Sichtweise Russlands, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow im staatlichen russischen TV-Sender Rossija." (3)
Was war geschehen? Am 4. Dezember 2025 wurde die neue "Nationale Sicherheitsstrategie" der USA veröffentlicht. Darin heißt es insbesondere: "Our broad policy for Europe should prioritize... Ending the perception, and preventing the reality, of NATO as a perpetually expanding alliance." Zu deutsch: "Unsere umfassende Politik für Europa sollte folgende Prioritäten verfolgen... Der Vorstellung, dass die NATO ein sich ständig erweiterndes Bündnis ist, ein Ende setzen und dies auch in der Realität verhindern." (4)(5)
Strategische Stabilität mit Russland wiederherstellen
Während Werner Rügemer diese Zielvorstellungen in seiner Analyse des Strategie-Papiers unerwähnt lässt (6), deutet Rainer Rupp an, was damit ausgesagt ist: "Radikale Veränderungen sind auch für die NATO geplant. Statt weiterer Expansion soll die NATO wieder auf ihre Kernaufgaben reduziert werden." (7) Helga Zepp-LaRouche wird deutlicher: "Das Dokument verbietet ausdrücklich die weitere Expansion der NATO – damit ist ein Beitritt der Ukraine zur NATO faktisch vom Tisch." (8) Wolfgang Effenberger führt aus: "Ziel der USA wird es sein, den anti-russischen Kurs Europas zu ändern und das Konfliktrisiko zwischen Russland und europäischen Staaten zu verringern. Das US-Hauptinteresse bestehe darin, sich auf eine rasche Beendigung des Konflikts in der Ukraine zu einigen und die strategische Stabilität mit Russland wiederherzustellen. Vor diesem Hintergrund begrüßte Russland die neue US-Sicherheitsstrategie als großen Fortschritt für die beiderseitigen Beziehungen. 'Die Änderung der nationalen Sicherheitsstrategie der USA durch die Regierung von Präsident Donald Trump, in der Russland nicht mehr als direkte Bedrohung erwähnt wird, ist ein positiver Schritt', betonte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow." (9)
Hinsichtlich Ukraine und Russland besagt die neue "Nationale Sicherheitsstrategie" wörtlich (in deutscher Übersetzung): "Es liegt im zentralen Interesse der Vereinigten Staaten, eine rasche Beendigung der Feindseligkeiten in der Ukraine auszuhandeln, um die europäischen Volkswirtschaften zu stabilisieren, eine unbeabsichtigte Eskalation oder Ausweitung des Krieges zu verhindern, die strategische Stabilität mit Russland wiederherzustellen und den Wiederaufbau der Ukraine nach Beendigung der Feindseligkeiten zu ermöglichen, damit sie als lebensfähiger Staat überleben kann." Und weiter: "Der Krieg in der Ukraine hat den perversen Effekt gehabt, die Abhängigkeit Europas, insbesondere Deutschlands, vom Ausland zu erhöhen. Heute bauen deutsche Chemieunternehmen einige der weltweit größten Verarbeitungsanlagen in China und verwenden dabei russisches Gas, das sie im eigenen Land nicht bekommen können. Die Trump-Regierung steht im Widerspruch zu europäischen Politikern, die unrealistische Erwartungen an den Krieg haben und in instabilen Minderheitsregierungen sitzen, von denen viele grundlegende Prinzipien der Demokratie mit Füßen treten, um die Opposition zu unterdrücken. Eine große Mehrheit der Europäer wünscht sich Frieden, doch dieser Wunsch schlägt sich nicht in der Politik nieder, was zum großen Teil auf die Untergrabung demokratischer Prozesse durch diese Regierungen zurückzuführen ist." (5)
Der Deutschlandfunk analysiert: "Russland wird in der neuen US-Strategie kaum erwähnt, jedenfalls nicht als Bedrohung. Das ist ein großer Unterschied zur Sicherheitsstrategie der Trump-Administration von 2017, in der Russland noch als Bedrohung charakterisiert wurde. Damals hieß es, Russland versuche, die US-amerikanische Sicherheit zu untergraben und die USA und Europa zu entzweien. In dem neuen Papier heißt es dagegen, mit Russland müsse eine 'strategische Stabilität' hergestellt werden. Es sei das Interesse Washingtons, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Russlands Führung nahm das US-Papier positiv auf. Die erfolgten Änderungen in der US-Strategie stünden 'weitgehend in Übereinstimmung' mit der Sichtweise Russlands, hieß es. Es sei fast physisch schmerzhaft, diese Reaktion Russlands zusammen mit diesen Passagen zu lesen, meint [Christoph] Heusgen [ehemaliger Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz] dazu." (2)
China als wirtschaftlicher Kontrahent
Auch China wird von den USA nicht als militärisch zu bekämpfender Gegner sondern als wirtschaftlicher Konkurent beschrieben: Es gehe in Zukunft darum, die wirtschaftlichen Beziehungen Amerikas zu China neu auszubalancieren und dabei Gegenseitigkeit und Fairness in den Vordergrund zu stellen, um die wirtschaftliche Unabhängigkeit der USA wiederherzustellen. Bezogen auf Asien heißt es in der neuen "Nationalen Sicherheitsstrategie": "Die wirtschaftliche Zukunft gewinnen, militärische Konfrontationen verhindern". Das Papier kritisiert die Öffnung der US-Märkte für China. In China zu investieren und die Auslagerung der Produktion nach China hätten nicht zum Eintritt Chinas in die sogenannte "regelbasierte internationale Ordnung" geführt. Wörtlich heißt es in deutscher Übersetzung: "China wurde reich und mächtig und nutzte seinen Reichtum und seine Macht zu seinem erheblichen Vorteil. Die amerikanischen Eliten – über vier aufeinanderfolgende Regierungen beider politischer Parteien hinweg – waren entweder willige Unterstützer der chinesischen Strategie oder leugneten sie. Der indopazifische Raum erwirtschaftet bereits fast die Hälfte des weltweiten BIP... Dieser Anteil wird im Laufe des 21. Jahrhunderts mit Sicherheit weiter wachsen. Das bedeutet, dass der indopazifische Raum bereits heute und auch im nächsten Jahrhundert zu den wichtigsten wirtschaftlichen und geopolitischen Schauplätzen gehören wird. Um im eigenen Land erfolgreich zu sein, müssen wir uns dort erfolgreich im Wettbewerb behaupten – und das tun wir auch. Präsident Trump unterzeichnete während seiner Reisen im Oktober 2025 wichtige Abkommen, die unsere starken Beziehungen in den Bereichen Handel, Kultur, Technologie und Verteidigung weiter vertiefen und unser Engagement für einen freien und offenen Indo-Pazifik bekräftigen. Amerika verfügt nach wie vor über enorme Vorteile – die stärkste Wirtschaft und das stärkste Militär der Welt, weltweit führende Innovationen, eine unvergleichliche 'Soft Power' und eine lange Tradition der Unterstützung unserer Verbündeten und Partner –, die es uns ermöglichen, erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen. Präsident Trump baut Allianzen auf und stärkt Partnerschaften im indopazifischen Raum, die auch in Zukunft das Fundament für Sicherheit und Wohlstand bilden werden." (5)
Der Deutschlandfunk kommentiert: "Das Papier bekräftigt damit also abermals die bereits bekannte Position des 'America First'. Die Ankündigung, das militärische Engagement der USA in der Welt zu verringern – auch in Europa – passt in dieses Bild... Trumps Vorgänger, Präsident Joe Biden, hatte dagegen in seinem Strategiepapier den Schwerpunkt der Auseinandersetzungen auf China und Russland gelegt. Was bedeutet das für Europa? Das Papier verdeutlicht die Konfrontation zwischen Washington und der Europäischen Union. Europa und USA zeigen sich als zwei geteilte Welten. Eine vergleichbare Bruchlinie zieht sich durch die NATO." (2) Ein Super-Debakel!
Frankfurter Rundschau zeichnet das Horrorszenario so: "Rechts- und linksextreme Kräfte setzten die europäischen Demokratien unter einen massiven Druck – unterstützt von russischen Desinformationskampagnen. 'Während diese Kräfte auf die Abschaffung der Demokratie zielen, versteht Trump seinem fragwürdigen Politikverständnis folgend diese Kräfte aber vielmehr als Ausdruck von Demokratie', sagte das EVP-Fraktionsmitglied [EU-Sicherheitspolitiker Michael Gahler]. Trump wolle wie Russlands Präsident Wladimir Putin die Europäische Union spalten. Darin liege die eigentliche Gefahr für die demokratische Mitte." (1)
Fußnoten:
1 Jan-Frederik Wendt in der Frankfurter Rundschau am 18.12.2025
Trumps Sicherheitsstrategie wie „Stich in Europas Rücken“ – EU-Politiker warnt vor gefährlichem Szenario
https://www.fr.de/politik/trumps-sicherheitsstrategie-wie-stich-in-europas-ruecken-eu-politiker-warnt-vor-gefaehrlichem-szenario-zr-94090968.html
2 deutschlandfunk.de am 11.12.2025
Sicherheitsstrategie der USA - Eine zweite Zeitenwende für Europa?
https://www.deutschlandfunk.de/usa-sicherheitsstrategie-europa-eu-nato-russland-100.html
3 tagesschau.de am 08.12.2025
Reaktionen auf US-Sicherheitsstrategie "Die USA stehen nicht mehr an der Seite der Europäer"
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/us-sicherheitsstrategie-reaktionen-100.html
4 Nationale Sicherheitsstrategie der USA vom November 2025 (veröffentlicht am 4. Dezember 2025)
https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf
5 Nationale Sicherheitsstrategie der USA vom November 2025 in deutscher Übersetzung
https://www.cueni.ch/vollstaendige-deutsche-uebersetzung/
6 Werner Rügemer am 10.12.2025 bei NachDenkSeiten
Gottes mächtigstes Land – wieder und für immer!
https://www.nachdenkseiten.de/?p=143409
7 Rainer Rupp am 06.12.2025 bei RTdeutsch
Neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA – Radikaler Kurswechsel unter Trump
https://weltexpress.info/neue-nationale-sicherheitsstrategie-der-usa-radikaler-kurswechsel-unter-trump/
8 Helga Zepp-LaRouche am 08.12.2025
Austritt aus der NATO! Neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA erfordert neue Sicherheitsarchitektur
https://schillerinstitute.com/de/blog/2025/12/08/austritt-aus-der-nato-neue-nationale-sicherheitsstrategie-der-usa-erfordert-neue-sicherheitsarchitektur/
9 Wolfgang Effenberger am 12.12.2025 bei Apolut
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https://apolut.net/28-punkte-wirrwar-und-eine-neue-us-sicherheitsdirektive-von-wolfgang-effenberger/
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