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Aktueller Online-Flyer vom 04. Mai 2026  

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Krieg und Frieden
Femizide, kriegstüchtig werden,
Männer lernen in der Armee töten
Von Heinrich Frei

Alle zwei Wochen tötet in der Schweiz ein Mann seine Partnerin oder eine Angehörige. Jacqueline Fehr, die Zürcher Regierungsrätin leitet die Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich. Sie kritisiert das Zögern anderer Kantone beschlossene Maßnahmen zur Verhinderung von häuslicher Gewalt umzusetzen: eine Notfallnummer aufzuschalten, Frauenhäuser einzurichten und elektronische Überwachungen zu genehmigen. (1) Unsere Kultur ist immer noch patriarchalisch geprägt. Viele Männer denken sie würden über der Frau stehen, sie könnten über sie verfügen. So haben sie es vielleicht zu Hause erfahren.

Durch eine gewalttätige Erziehung und auch durch die Verwöhnung werden viele Menschen psychisch deformiert. Durch die Verwöhnung, mit der damit Unselbständigkeit machenden Erziehung durch die Domination der Mutter über einen Knaben, können später Aversionen gegen Frauen entstehen. Das kann dann in einer Partnerschaft fatale Folgen haben. Ablehnung und Gewalt gegen Frauen kann die Folge sein. (2)



Schusswaffen nicht mehr so leicht verfügbar

Um Morde, Femizide und auch Selbstmorde zu verhindern, ist es wichtig, dass Schusswaffen nicht mehr so leicht verfügbar sind. Wer nicht regelmäßig als Sportschütze aktiv ist, sollte seine Pistole und sein Gewehr abgeben.

Junge Männer lernen in der Rekrutenschule Menschen zu töten. Es ist erstaunlich, dass nicht noch mehr Menschen in der Schweiz ermordet werden durch all die hunderttausenden Soldaten, die in der Armee das Morden gelernt haben.

Am 7. November 2007 hat ein Soldat, der gerade aus der Rekrutenschule nach Hause kam, an der Bushaltestelle auf dem Hönggerberg in Zürich ein 16-jähriges Mädchen mit seinem Sturmgewehr erschossen. Spraybild an der Bushaltestelle (Foto: Heinrich Frei) (3) 



Schweizer Soldaten müssen ihre Schusswaffe nach Hause nehmen

In der Schweiz müssen Soldaten ihr Sturmgewehr oder ihre Pistole nach dem Militärdienst nach Hause nehmen. Seit 2007 dürfen sie immerhin die Munition zu ihrem Sturmgewehr oder zu ihren Pistolen nicht mehr mitnehmen, was zu weniger Suiziden mit Schusswaffen führte. Im letzten Jahr wollte eine bürgerliche Mehrheit der Sicherheitspolitischen Kommission des Ständerates Schweizer Soldaten wieder Munition mit nach Hause geben, angesichts der bedrohlichen sicherheitspolitischen Lage, angesichts des Krieges in der Ukraine. (4)

Der Ständerat lehnte diese Motion glücklicherweise jedoch mit 31 Nein-Stimmen, 9 Ja-Stimmen und 3 Enthaltungen deutlich ab. (5)(6)

«Die Waffen nieder» oder aufrüsten, noch kriegstüchtiger werden?


Vergessen scheint heute Berta von Suttner zu sein. Sie verfasste 1889 das Buch «Die Waffen nieder». Das sollte auch heute die Parole sein: Abrüstung, Umstellung der Waffenfabriken auf zivile Produktion und Abschaffung der Armeen.

Schweiz: Wer nicht lernen will zu töten, soll es schwieriger haben…


Mit sechs Maßnahmen will die vom Schweizer Ständerat im September verabschiedete Änderung des Zivildienstgesetzes die Zahl der Zivildienstzulassungen um mehr als 40 % reduzieren. Der Zugang zum Zivildienst soll erschwert werden. Über diesen Beschluss des Parlamentes wurde erfolgreich das Referendum ergriffen. Die Abstimmung wird am 14. Juni 2026 stattfinden. (7)

Wer nicht kriegstüchtig werden will, wird in der Schweiz schon heute bestraft, wenn er keinen Militärdienst leisten will. Er muss anderthalbmal so lang Zivildienst leisten wie Kriegsdienst.

Alternativen zur selbstmörderischen militärischen Verteidigung

Der Glaube ist auch weit verbreitet, es gebe nur eine Möglichkeit sich gegen einen Feind, gegen eine fremde Armee zu verteidigen, eben nur mit einer eigenen Armee. Erfolgreiche gewaltlose Verteidigungsaktionen in der Geschichte sind kaum bekannt, werden daher nicht in Betracht gezogen. Junge Männer sollen heute immer noch kriegstüchtig werden, sie sollen lernen, wie man dem Feind mit der Waffe in der Hand entgegentritt und das Land, Frau und Kinder verteidigt. (8)

Der Krieg in der Ukraine ist immer noch ein Segen für die Rüstungsindustrie, wie auch der Gazakrieg und der Krieg gegen den Iran. Es lohnte sich in Aktien von Rüstungskonzernen zu investieren…


Jean Tinguely (1925 – 1991), Fribourg, Retable de l’abondance occidental & du mercantilsme totalitaire, (Der Altar des westlichen Überflusses und des totalitären Merkantilismus) (Foto: Heinrich Frei)

Weitere Lockerung der Kriegsmaterialexporte

In der Schweiz sollen Bestimmungen, die schon heute fast alle Waffenexporte erlauben, noch gelockert werden. Schweizer Rüstungsbetriebe sollen künftig auch Kriegsmaterial an 25 westliche Länder, die in bewaffneten Konflikten verwickelt sind, liefern dürfen, gemäß der von einer bürgerlichen Mehrheit gezimmerten Vorlage. Der Bundesrat soll für solche Kriegsmaterialexporte ein Vetorecht erhalten. (9)(10)

Referendum gegen eine weitere Lockerung der Kriegsmaterialexporte

Eine breite Allianz bestehend aus Parteien, Friedensorganisationen, NGOs und kirchlichen Verbänden hat am 7. Januar 2026 ein Referendum gegen diesen Beschluss Berns lanciert, Sie hat die notwendigen Unterschriften für das Zustandekommen des Kriegsmaterial-Referendum gesammelt. Bereits einen Monat vor Ablauf der Sammelfrist sind mehr als 62’000 Unterschriften eingetroffen. Das zeigt, wie groß der Unmut in der Bevölkerung über die weitere Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes ist.

Auch in Österreich soll man wieder kriegstüchtiger werden…

Eine Expertenkommission in Österreich eingesetzt von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) empfiehlt den Wehrdienst zu verlängern und wieder verpflichtende Milizübungen einzuführen. (11)

Vergessen in Österreich scheint nicht nur Berta von Suttner die forderte «Die Waffen nieder» sondern auch das Volksbegehren von Wilfried Daim und Günther Nenning. Sie versuchten 1969 das österreichische Bundesheer mit einem Volksbegehren abzuschaffen: «Volksbegehren zur Auflösung des österreichischen Bundesheeres»

Nenning und Daim, waren damals der Meinung, «die strategische Lage Österreichs, seine ökonomische Potenz und die staatsvertraglichen Beschränkungen seiner Rüstung würden eine ernsthafte Verteidigung des Landes unmöglich machen. Der Rüstungswettlauf der Supermächte sei eine so ernste Gefährdung des Lebens auf unserem Planeten, dass kleine Staaten wenigstens durch dramatische Gesten einen Druck auf die großen Staaten zu ernstlichen Abrüstungsbemühungen ausüben sollten. (12)

Was Krieg bedeutet, zeigt sich heute nicht nur in der Ukraine: Hunderttausende Tote und Verletzte, Kriegsinvalide, ganze Landstriche vermint, für Jahrzehnte nicht mehr bebaubar, Millionen Flüchtlinge, eine kaputte Infrastruktur. Aber viele finden es heute sinnvoll der Ukraine noch mehr Waffen zu liefern. Viele befürworten, auch in der Schweiz, dass aufgerüstet wird und alles dafür getan wird, dass die Jugend wieder kriegstüchtig wird.


Fußnoten

(1) «Femizide. Jacqueline Fehr kritisiert das Zögern anderer Kantone» von Alexandra Aregger und Jaqueline Büchi, Tages Anzeiger 8. April 2026
(2) Risse in der Kinderseele | Manova-Magazin
(3) Armeewaffen ins Zeughaus, um Suizide und Morde zu verhindern – IFOR Schweiz – MIR Suisse
(4) Munition wieder zu Hause – das will Sicherheitspolitische Kommission - News - SRF
(5) SVP-Vorstoss gescheitert: Keine Muniton für zu Hause
(6) Dr. med. Ellen Naef zu Suiziden mit Feuerwaffen – IFOR Schweiz – MIR Suisse
(7) Zivildienst: Die Gesetzesänderung Maßnahme für Maßnahme - GSoA
(8) Kommentar zur Neutralitätsinitiative von Heinrich Frei: "Der Irrglaube an militärische Landesverteidigung - Alternativen zur selbstmörderischen militärischen Verteidigung" (http://nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=29086)
(9) Waffenexporte: Kriegsmaterialgesetz-Differenzen sind bereinigt - News - SRF
(10) Keine Waffen für Bürgerkriege: Kriegsmaterial-Referendum ist lanciert. - GSoA
(11) Braucht es eine Reform des bestehenden Wehrdienstes? - Dorfzeitung. Kultur online
(12) Heinrich Frei über den Versuch eines Volksbegehrens: Österreich 1969: Weg mit dem Bundesheer! (http://nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=28794)

Online-Flyer Nr. 861  vom 29.04.2026

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