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Aktueller Online-Flyer vom 15. November 2019  

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Kultur und Wissen
Aktuelle Folge von StreetLightsTV über das Kölner „mobile Jugendzentrum“:
B.O.J.E.
Von Jadwiga Müller

„Ja, ich will zurück auf die Straße...“, und darüber, dass man Gold bekanntlich im Dreck fände, sang Marius Müller-Westernhagen schon, als er längst etabliert war. Wenn man sich das studentische Projekt StreetLightsTV betrachtet, möchte man ihm gerne recht geben: Vier Filmstudenten der TU Ilmenau in Thüringen haben sich auf die Straßen von nunmehr sieben Großstädten Deutschlands begeben und stellen Obdachlose, Break-Dancer, Graffiti- und Straßenkünstler vor – in Köln ein mobiles Jugendzentrum – die Redaktion.
Jugendzentren verbindet man gemeinhin immer mit Spaß, Spielen, Freunde treffen, Fröhlichkeit. Beim bunten Bus der B.O.J.E., der beinahe täglich hinter dem Kölner Hauptbahnhof auf „seine“ Jugendlichen wartet, ist das jedoch anders: Das „mobile Jugendzentrum“ ist Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene aus der Kölner Bahnhofsszene. Anfang Juli 2008 stieg das Team von StreetLightsTV in den B.O.J.E.-Bus. Die beiden Straßensozialarbeiter Olaf Baldstun und Oliver Karger gewährten in einem Interview Einblick ihre Arbeit, in das Leben der Jugendlichen und deren Lebenssituationen.

boje bus streetlightsTV
Der Bus der B.O.J.E. am Breslauer Platz

Insgesamt vier Mitarbeiter kümmern sich um die kleinen und großen Probleme ihrer „Besucher“. In Kooperation mit dem Gesundheitsamt der Stadt Köln ist der Bus wie eine kleine Rettungsinsel mit „Beratung und Orientierung für Jugendliche und junge Erwachsene“ (B.O.J.E.). „Wir verstehen uns im weitesten Sinne als Jugendzentrum“, so Karger. Da es in Köln kaum Anlaufstellen für Minderjährige gibt und die Bahnhofsszene von der sozialen Betreuung ausgeschlossen war, wurde das mobile Jugendzentrum ins Leben gerufen. Das Projekt verfolgt dabei eine defensive Kontaktaufnahme. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen auf die Sozialarbeiter zu: „Wir lassen die Besucher erst einmal ankommen und sein“, so Karger.

Drei der Ilmenauer Filmstudenten waren in Köln zwei Tage lang bei leichtem Regen unterwegs, der die Arbeit mit der Kamera kaum erleichterte. Um die Atmosphäre der Stadt einzufangen, wurde am ersten Drehtag das Stadtbild mit allen für die Rheinmetropole typischen Sehenswürdigkeiten abgedreht. Aber wenn die Kamera aus ist, ist damit nicht gleichzeitig die Arbeit an der Dokumentarserie beendet. Abends wartete die Vorbereitung auf das Interview am folgenden Tag, das Schreiben von Drehprotokollen und diverse organisatorische Tätigkeiten.

Der zweite Drehtag begann mit einem Treffen mit den beiden Straßensozialarbeitern sowie die Absprache über die Fragen, die während des Interviews gestellt werden sollten. Auch im Bus wurden die Eindrücke mit der Kamera eingefangen. Erst danach konnte das Interview beginnen. Und es sollte sich als sehr interessant und aufschlussreich herausstellen.

CC StreetLightsTV.de | über: sevenload.com


Menschen.Straßen.Hintergründe

Die studentische Web-Doku-Serie StreetLightsTV fängt neben der Arbeit von Projekten wie dem B.O.J.E.-Bus verschiedene Aspekte von Straßenkulturen filmisch ein. Drei Studenten der TU Ilmenau interviewen quer durch die Bundesrepublik Deutschland „Persönlichkeiten der Straße“. Bewaffnet mit zwei Kameras sprechen Graffiti-Maler über ihre Kunst, Straßenmusiker und  -schauspieler über ihr Leben und ihre Zukunft, Obdachlose und ihre Betreuer über die harte Wirklichkeit der Straße.

StreetLightsTV
StreetLightsTV sind: Jan M. Rechlitz,         
Mario Ziemkendorf, Imke Rühle und
Jadwiga Müller (v.l.n.r.)
Alle Fotos: StreetLightsTV.de
„Wir wollen Verständnis wecken und die Leute für die Probleme sensibilisieren, die direkt vor unseren Nasen sind.“, so Projektleiter Jan M. Rechlitz. Dabei ist es den Machern wichtig, möglichst viele Facetten von Straßen- und Subkulturen in Deutschland zu entdecken. In zehn deutschen Großstädten folgen sie den verborgenen Spuren auf dem Asphalt. 

Das Internet ist für die Verbreitung das perfekte Mittel. Potentiell können 6 Milliarden Menschen erreicht werden und so Straßenkulturen in Deutschland miterleben. Ausdrücklicher Wunsch der studentischen Filmemacher ist es, dass jeder Zuschauer auch Teil der Produktion wird – mit direktem Feedback, Kommentaren, Kritik und Lob. Somit kann jeder Teil der deutschen Straßenkulturen sein. (CH)

Seit dem 08. Juli 2008 ist die Dokumentation aus Köln auf StreetLightsTV.de zu sehen.
Zur Webseite des B.O.J.E.-ProjektträgersAuf Achse gGmbH


Anonym, aus dem B.O.J.E.-Bus:

    „Kennst du den Ort
    an dem die Sonne
    niemals lacht wo man
    vergisst Moral und Tugend
    das ist der Bahnhof der
    Mörder meiner Jugend“

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Online-Flyer Nr. 155  vom 16.07.2008

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