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Aktueller Online-Flyer vom 15. Juli 2024  

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Inland
Anmerkungen zur Flutkatastrophe
Menschen mit Herz Schlamm verschmiert
Von Lutz Weber

Wir sind im Überschwemmungsgebiet an der Erft. Es ist der 28. Juli 2021. Bei der Anfahrt kommen wir vorbei an Häusern mit Transparenten, auf denen steht: "Wir grüßen alle freiwilligen Helfer, ihr seid Helden!" Viele Orte sind nicht mehr wiederzuerkennen. Überall Zerstörung. Hinter all den Trümmern, unter all dem Schutt und dem Schlamm verbergen sich menschliche Schicksale. Hinter den zerbrochenen Schaufensterscheiben, den zerstörten Geschäften und ihren unbrauchbar gewordenen Waren verbergen sich Existenzen verzweifelter Menschen. Die zerstörten historischen Bauwerke. Wird man sie je wieder herrichten können?


Bad Münstereifel: Wir danken allen Helfern (Fotos: Lutz Weber)

Und dennoch gibt es Hoffnung. Aus dem ganzen Land von Hamburg bis München sind freiwillige Helfer angereist. Sie sind die einzigen, die ich sehe, die in privaten Häusern helfen und arbeiten. Ich arbeite mit einem Landwirt aus Nürnberg. Er selbst hat Probleme und war den Winter über in Berlin bei der Langzeit-Bauerndemo. Oder die Soldaten aus Hamburg, die Urlaub genommen haben, um auf eigene Kappe hier zu helfen. Ich sehe viele bekannte Gesichter aus den Reihen der demokratischen Friedensbewegungen. Die Hilfe ist jedoch vollkommen unpolitisch. Diese Menschen wollen einfach nur helfen. Helfen wo Menschen in Not sind. In Bad Münstereifel sieht man am Abend diese Menschen gemeinsam am Rathausplatz sitzen, um noch ein Bier zu trinken, bevor sie erschöpft ins Bett fallen. Einer der freiwilligen Soldaten sagt zu mir, du erkennst hier die Menschen mit Herz, sie sind Schlamm verschmiert. Es ist ein gutes Gefühl, diese einfache Verbundenheit zu spüren. Hier gibt es keine Politik, hier gibt es kein Corona, hier gibt es nur Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit. Ich stelle mir die Frage, was es für ein Land wäre, wenn nicht ständig irgend jemand versuchen würde, die Menschen gegeneinander aufzuwiegeln.


Bad Münstereifel: freiwillige Helfer

Bei den Gesprächen am Markt kommen die Medien nicht gut weg. Sie kommen vorbei, positionieren sich an spektakulärer Stelle, steigen blitzblank aus ihrem sauberen Auto (der Reporter wird vielleicht noch etwas voll geschmiert) und dann folgt eine kurze Sensationsmeldung. Im Studio recherchieren Sie, ob sie Helfer ausfindig machen können, die sich erdreisten, auf einer Querdenker-Demo gewesen zu sein. Gegen diese Helfer wird dann Stimmung gemacht - mit dem Ziel, dass diese nicht mehr vor Ort helfen können. Das alles von Menschen, die sich nicht die Hände schmutzig machen, wenn irgendwo jemand Hilfe benötigt. Menschen, die die Brutkasten-Lüge genauso wie die Giftgaslüge verbreitet haben, auf deren Grundlage Millionen von Menschen gestorben sind.

Anwohner berichten mir, dass es keine Warnmeldungen gab. Die Nina-App meldete erst um 23:00 Uhr Unwetter. Der Höchststand war aber um 23:20 Uhr. Also kam diese Meldung mindestens acht Stunden zu spät. War das Unwetter nicht schon vier Tage vorher bekannt? Wie passt es zusammen, dass ihr uns seit eineinhalb Jahren mit Schreckensmeldungen in Dauerschleife überhäuft, aber in diesem Fall geschwiegen habt?

Bei der Verabschiedung nehmen wir uns in den Arm. Der Soldat, der Landwirt, der Unternehmer. So viel Menschlichkeit tut gut in dieser Zeit. Als ich ins Auto steige, um nach Hause zu fahren, bemerke ich, wie Schlamm verschmiert meine Kleidung ist, und ich muss lächeln beim Gedanken an den Offizier, der zu mir sagte: du erkennst hier die Menschen mit Herz...


Bad Münstereifel


Siehe auch:

Staat versagt - Querdenker sind schuld
Von Ulrich Gellermann
NhZ 774 vom 25.07.2021
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27566

Online-Flyer Nr. 774  vom 29.07.2021

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