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Kommentar
Zum Diskussionspapier "Überlegungen zur weiteren Strategie der Friedensbewegung" vom Dezember 2025
Tigerfell als Bettvorleger
Von Rudolph Bauer

Das Papier "Überlegungen zur weiteren Strategie der Friedensbewegung" (1) - unterzeichnet von Reiner Braun, Michael Müller, Willi van Ooyen, Christof Ostheimer, Karl-Heinz Peil und Peter Wahl (wo bleiben die Frauen?) - ist unkritisch und eignet sich nicht als "Diskussionsgrundlage". Es legt kein Fundament, auf welchem aufbauend die Friedensbewegung als eine antimilitaristische Massenbewegung der entschlossenen Kriegsgegnerschaft ein nicht nur gesellschaftlicher, sondern auch politischer Faktor zu werden verspricht. Es bleibt beim Tigerfell als Bettvorleger für eine Schlafgelegenheit, in welche DGB und Kirchen etc. zu einem Schäferstündchen eingeladen werden.
 
Eine Bewegung, deren 'Köpfe' nicht schonungslos analysieren, wo und warum Fehler gemacht wurden, kommt nicht raus aus der Fehlermacherei, auch wenn sie vollmundig "Überlegungen zur weiteren Strategie" ankündigt. Eine Bewegung, deren 'Köpfe' sich auf die Feststellung beschränken, dass ihre "Ressourcen - personell, finanziell, organisatorisch - ... sehr beschränkt (sind)" (Pkt. 5.2) und dass sie - "wir - und selbst eine Bundesregierung" - "nur bedingt Einfluss besitzen" (ebd.), ist das Papier nicht wert, auf dem sie nichts anderes anzubieten hat als einen "Beitrag ... zu einem Dialog" (Pkt. 1), "Räume für den Dialog zwischen unterschiedlichen Positionen" (Pkt. 4.1) sowie den "Dialog in Richtung Gewerkschaften, Kirchen, Umweltbewegung und Anti-Wehrpflichtkampagne/Jugend" (Pkt. 5.2).
 
"Oberziel" des Papiers ist die "Verbreiterung (!) der Friedensbewegung ... als reformpolitisches (!) Projekt zur Erneuerung (!) und Stärkung (!) solidarischer (?) und nachhaltiger (?) Strukturen (?) in unserem (!) Land" (Pkt. 4.1). Gefasel, Gefasel, Gefasel. Der Friedensbewegung mangelt es nicht an Breite und "Verbreiterung", sondern an Zielgenauigkeit und Stoßkraft. An einem Punkt ist dann allerdings Schluss mit lustig und mit dem Ziel der "Verbreiterung". Da heißt es: "Zur Abgrenzung gegen rechtsradikale Einflüsse gilt: Rassismus, Antisemitismus, Faschismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit lehnen wir ab. Deshalb gibt es keine Zusammenarbeit mit rechtsextremen Kräften, und sie können auch nicht Teil unserer (!) Bündnisse (!) sein. Das ist in allen Aktionsaufrufen deutlich zu machen." (Pkt. 4.3) Gleichzeitig wird zwar eingeräumt, "dass erstmals seit 150 Jahren ein erheblicher Teil der extremen Rechten für Kooperation und Koexistenz mit Russland eintritt" (Pkt. 3.2). Ja aber, was nun: Sollen aktuell in erste Linie Militarismus und Krieg bekämpft werden, oder geht es jetzt ebenso heftig gegen jenes Konglomerat, das von den Sittenwächtern des Verfassungsschutzes, den 'Experten' der Herrschaftsmedien und den Postenschiebern der Maulkorb- und Impfpflicht-Parteien als "rechtsextreme Kräfte" etikettiert wird?
 
Dreimal ist vom "Rüstungskeynesianismus" die Rede (Pkt. 2.2, 2.3 und 4.5), aber mit keiner Silbe wird erklärt, worum es sich dabei handelt. Ich vermisse auch den Begriff vom "Militärisch-Industriellen Komplex". Nicht einmal der Firmenname Rheinmetall wird erwähnt. Statt dessen wird die Kriegshetze fremdwörtlerisch als "Bellizismus" (Pkt. 4.6 und 4.8) geschönt. Umgekehrt wird verbal dramatisiert: "der gefährlichste Konflikt" (Pkt. 2.1), "sehr schwierig" (Pkt. 3.1),"zunehmende Distanz" (Pkt. 2.2), "drastisch vertieft" (ebd.), "enorme politische Instabilität" (ebd.), "Vielfachkrise" (ebd.), "enorme Konflikte" (ebd.), "dramatisch"(er Bedeutungsverlust) (ebd.).
 
Kurz: Dieses Papier als "Diskussionsgrundlage" zu empfehlen heißt, Menschen, die den Krieg zu verhindern bereit sind, in jene Phantom-Schützengräben zu locken, in denen sie regierungs-, EU- und NATO-brav auf "Putin-Versteher", "Schwurbler", "Verschwörungserzähler" sowie "gegen rechts" ballern, statt die Kräfte zu bündeln und fokussierend den militärisch-industriellen Feind und die Kriegshetzer ins Visier zu nehmen.


Fußnoten:

1 Diskussionspapier "Überlegungen zur weiteren Strategie der Friedensbewegung", 16.12.2025
https://www.kasseler-friedensforum.de/917/publikationen/Ueberlegungen-zur-weiteren-Strategie-der-Friedensbewegung-Diskussionspapier/

Online-Flyer Nr. 856  vom 31.12.2025

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